Kommentar

Billige Retourkutsche

 

Der Europäische Handballverband (EHF) kann es nicht lassen. Mit der Überprüfung der Zulassung der Rhein-Neckar Löwen für die Champions League zündet er die nächste Eskalationsstufe in einem Streit, in dem es längst nicht mehr um Argumente oder gar eine Lösung im Sinne des Sports geht. Mit allen Mitteln will die EHF Macht demonstrieren und zeigen, dass die Champions League der wichtigste Wettbewerb in Europa ist und dass sich dem Verband alle unterzuordnen haben. Kurzum: Die EHF duldet keinen zweiten Top-Wettbewerb wie die Bundesliga neben sich.

Da werden dann auch gerne mal das große Ganze und die eigenen Regeln übersehen. Auf das Dilemma im vergangenen März, als die Bundesligapartie zwischen Kiel und den Löwen mit dem Achtelfinale der Königsklasse kollidierte, hatte der badische Club die Handball-Bundesliga und die EHF monatelang hingewiesen. Doch beide Verbände, die letztendlich für die Organisation ihrer Wettbewerbe zuständig sind – und nicht die Clubs –, rannten sehenden Auges ins Verderben und zwangen mit ihrer Untätigkeit die Löwen dazu, sich zu entscheiden. Der zweifache deutsche Meister schickte seine zweite Mannschaft zur Champions-League-Partie im polnischen Kielce – was übrigens ausdrücklich erlaubt und von den Regeln gedeckt ist. Es wurden ausschließlich Spieler eingesetzt, die für den Wettbewerb gemeldet waren.

Wenn die EHF derartige Tricksereien in Zukunft umgehen will, wäre es einfacher gewesen, die Statuten zu ändern. Beispielsweise hätte jeder Club künftig nur noch 20 Spieler melden dürfen. Damit wäre die Wiederholung einer solchen Farce schon vom Tisch gewesen. Doch stattdessen wird wieder eine Drohkulisse aufgebaut, die eher nach einer billigen Retourkutsche aussieht. Das Schlimme: Diese alberne EHF-Reaktion auf Kindergarten-Niveau war in dieser von Egoismus und Eitelkeiten geprägten Auseinandersetzung absolut erwartbar.

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