Kommentar

Bitter und ärgerlich

Archivartikel

Fabian Busch zum Schicksal des Flüchtlings aus Afghanistan

Über diesen Fall lässt sich nur der Kopf schütteln: Ein Geflüchteter hat nach langer Suche eine Ausbildungsstelle gefunden, ist motiviert und hat sich auf den Job vorbereitet. Doch der nötige Umzug in ein anderes Bundesland scheitert an der Bürokratie: Das Landratsamt Karlsruhe sieht sich nicht in der Lage, die nötige „Umverteilung“ des Mannes zügig zu beantragen. Das zeugt von einem Mangel an Flexibilität – und auch an Fingerspitzengefühl für die Nöte von Menschen.

Keine Frage: Hunderttausende Flüchtlinge, die verteilt, untergebracht und beschäftigt werden müssen, stellen für die Behörden eine große Herausforderung dar. Beamte müssen sich an Regeln halten und arbeiten zum Teil unter großer Belastung. Für den Einzelnen ist zudem nicht sichtbar, dass es auch viele andere Menschen gibt, die ebenfalls dringend auf Entscheidungen warten.

Doch auch wenn das nicht jeder so sehen mag: Von Flüchtlingen wird in diesem Land ebenfalls viel verlangt. Sie müssen sich in der Fremde orientieren, Regeln und Gesetze durchblicken. Von ihnen wird erwartet, dass sie schnell arbeiten und gleichzeitig zügig Deutsch lernen. Wenn ein Berufseinstieg dann aber scheitert, weil eine Behörde sich nicht im Stande sieht, einen nicht allzu komplizierten Antrag innerhalb eines Monats zu bearbeiten, ist das bitter und ärgerlich. „Wir schaffen das“ geht anders.