Kommentar

Bittere Realität

Jürgen Berger zur Situation von Thomas Müller

Über die Bedeutung von Thomas Müller als Identifikationsfigur des FC Bayern gibt es keine zwei Meinungen. Der Weltmeister von 2014 ist der perfekte Markenbotschafter für den deutschen Rekordmeister – und hat über zehn Jahre entscheidenden Anteil an den Erfolgen der Münchner gehabt. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass Müllers sportliche Leistungen mittlerweile nicht mehr den Ansprüchen an eine Stammkraft beim FCB genügen. Das ist die bittere Realität.

Die Ausmusterung in der Nationalmannschaft durch Bundestrainer Joachim Löw, der seinem Musterschüler aufgrund dessen unbestrittener Verdienste zu lange die Treue hielt, kam nicht ohne Grund – und auch Niko Kovac hat aus Trainersicht absolut nachvollziehbar gehandelt, in dem er Philippe Coutinho, Serge Gnabry oder Kingsley Coman den Vorzug gab, auch wenn seine Notnagel-Aussagen im Rahmen der Bundesliga-Partie gegen Hoffenheim menschlich gesehen natürlich überhaupt nicht angebracht waren.

Sie machten dem 30-jährigen Müller aber wohl endgültig klar, welche Rolle Kovac dauerhaft für ihn vorgesehen hat – und Müller kann sich (noch) nicht damit identifizieren, dauerhaft als Joker ab und an Impulse setzen zu dürfen. Er ist zu ehrgeizig für die Bank. Das untermauert sein nun geäußerter Wechselwunsch.

Der Oberbayer befindet sich in einer ähnlichen Situation wie sein Kumpel Bastian Schweinsteiger vor vier Jahren, als Pep Guardiola nicht mehr mit ihm plante. Doch welche Optionen hat der Münchner Großverdiener? Vielleicht hebt ein Verein der Kategorie Inter Mailand den Finger, die absoluten Topteams aus der Champions League dürften kaum Interesse haben. Ein Wechsel in die USA oder nach China passt eigentlich nicht zu Müller als Typ.

Jetzt ist es an den Münchner Bossen, in der Winterpause eine faire Lösung für den Bayern-Helden zu finden, die ihm nach der Karriere eine Rückkehr zu seinem Heimat-Club ermöglicht. Das hat Müller verdient – genauso wie einen offenen und ehrlichen Austausch in diesen für ihn so schweren Zeiten.

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