Kommentar

Bittere Realität

Archivartikel

Jürgen Berger zur Situation der TSG Hoffenheim

Christian Streich ist ein überaus erfahrener Krisenmanager und Fußball-Realist. Deshalb weiß der Trainer des SC Freiburg ganz genau, wie er die aktuelle Erfolgsgeschichte der Breisgauer einzuordnen hat. Schließlich ist es schon eine Weile her, seit sein Sport-Club das letzte Mal vier Bundesliga-Spiele in Serie gewonnen hat – nämlich sieben Jahre. Und vor den englischen Wochen bewegte sich Freiburg mit lediglich acht Punkten auf dem Konto in der Gefahrenzone.

Das Trainer-Original warnt eindringlich davor, sich vom Aufwärtstrend blenden zu lassen. Der Weg zum Klassenerhalt bleibt weiter steinig. Doch Streich betont auch, dass sich sein Team jetzt für die harte Arbeit belohnt, nachdem es zuvor zwei, drei Mal „mächtig gerappelt“ hatte. Die teaminternen Aussprachen wirkten wie ein reinigendes Gewitter, das den Kampfgeist weckte und die Konzentration stärkte. Plötzlich haben die Südbadener 20 Zähler und gehen mit viel Selbstvertrauen ins neue Jahr. Sie haben eindrucksvoll bewiesen, wie man sich „frei spielen“ kann.

Freiburg als Vorbild

Und genau das muss auch Hoffenheim. Die TSG sollte sich den SC, der das Landes-Duell völlig verdient gewann, zum Vorbild nehmen. Natürlich sind die Nachwirkungen der Corona-Infektionen und die anhaltende Verletzungsmisere immens. Natürlich drücken Rückschläge die Stimmung, vor allem wenn ein Verein mit ehrgeizigen Zielen in die Saison geht. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass die Kraichgauer trotz aller Schwierigkeiten immer noch eine namhafte Mannschaft auf den Platz bringen, die in der Europa League die Erwartungen erfüllt.

Das Kernproblem von Hoeneß ist nicht die fehlende spielerische Qualität. Es sind zu viele Abwehraussetzer, die wichtige Punkte kosten. Ein Blick auf die Statistik verdeutlicht dies eindrucksvoll. Mit 26 Gegentreffern in der Liga bewegt sich die TSG, die nicht zum ersten Mal die erste Halbzeit komplett verschlafen hat, im gleichen Bereich wie Abstiegskandidat Mainz 05. Hoeneß hat dieses Manko zwar erkannt und fordert, sein Team müsse auf allen Positionen von Beginn an hellwach sein. Doch das ist im Profigeschäft eigentlich eine Grundvoraussetzung.

Zu viele Abwehraussetzer

Die Eingewöhnungsphase für den Bundesliga-Neuling ist daher endgültig vorbei. Der Hoffenheimer Coach braucht dringend eine Erfolgsserie, sonst verliert die TSG endgültig den Kontakt zu den internationalen Plätzen und muss den Blick nach unten richten. Das ist die bittere Fußball-Realität für Hoeneß vor dem Duell mit Schalke 04 am nächsten Spieltag.