Kommentar

Blamierte Truppe

Archivartikel

Stefan Vetter über die Bundeswehr und den Moorbrand im Emsland: Das Ministerium hat den Ernst der Lage völlig unterschätzt

Der durch eine Schießübung verursachte Moorbrand im Emsland ist sicher zunächst einmal eine Katastrophe von regionalem Ausmaß. Der politische Schwelbrand hat sich allerdings inzwischen bis nach Berlin gefressen. Denn einmal mehr steht wieder die Bundeswehr insgesamt am Pranger.

Dass ihre Flugzeuge wegen mangelhaften Zustands häufig nicht fliegen können, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Genauso, dass der Bundeswehr deshalb auch einsatzfähige Schiffe abhandenkommen. Dass nun aber selbst simples Löschgerät versagt – eine Löschraupe vor Ort war defekt und die andere auch gerade in der Werkstatt –, das schlägt dem Fass den Boden aus.

Die Truppe hat sich jedenfalls wieder einmal furchtbar blamiert. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen war am Wochenende sichtbar bemüht, den Brand wenigstens politisch einzudämmen. Bei einem Besuch im Emsland entschuldigte sich die Verteidigungsministerin namens der gesamten Truppe für den immensen Schaden. Und sie schüttelte die Hände vieler Helfer, die seit gut zwei Wochen im Dauereinsatz sind, um die Flammen zu löschen.

Es war das Mindeste, was man von der CDU-Politikerin erwarten durfte. Aber warum erst so spät? Offenbar wurde die im wahrsten Wortsinn brenzlige Lage auch in ihrem eigenen Ressort stark unterschätzt. Politisch helfen kann jetzt nur noch rückhaltlose Aufklärung. Warum wurde eine solche Militärübung überhaupt angesetzt, wo doch seit Monaten Trockenheit herrschte?

Gibt es da Lücken bei den Vorschriften oder wurden sie einfach ignoriert? Und warum hat es einmal mehr an einer funktionierenden Ausrüstung gehapert? Um solche Fragen erschöpfend zu beantworten, wird sicher einige Zeit ins Land gehen.

Und so ist der beste Verbündete der Brandbekämpfer vor Ort gegenwärtig auch nicht Ursula von der Leyen, sondern die Wetterumstellung mit hoffentlich ergiebigem Regen.