Kommentar

Blitzschach in Lissabon

Alexander Müller zum Finalturnier in der Königsklasse

Das Blitzschach zeichnet sich dadurch aus, dass die Bedenkzeit im Vergleich zu einer regulären Partie drastisch reduziert ist. Das rasante Tempo verursacht manchmal abenteuerliche Züge und sorgt dafür, dass Favoriten stolpern können. Um nach der monatelangen Corona-Unterbrechung einen Sieger in der Champions League zu ermitteln, kopiert der Fußball ab 12. August dieses Prinzip. Den Gewinner der Königsklasse 2020 spielt die UEFA im Experiment von Lissabon aus. Beim Blitzturnier in der portugiesischen Hauptstadt fällt die Entscheidung statt wie üblich in Hin- und Rückspiel ab dem Viertelfinale nur noch in einer K.o.-Partie, die unterschiedlichen Startvoraussetzungen machen den Ausgang zusätzlich unkalkulierbar.

Die Engländer, Italiener und Spanier reisen nach dem verspäteten Re-Start in ihren nationalen Ligen mit Spielpraxis und Rhythmus an, während Paris St. Germain mit Trainer Thomas Tuchel nach dem Saisonabbruch in Frankreich mit dem Pokalfinale gegen St. Etienne (1:0) am Samstag das erste Pflichtspiel nach vier langen Monaten Unterbrechung absolviert hat. Ein klarer Nachteil.

Nicht ganz so hart trifft es den FC Bayern, der am 8. August erst noch das Achtelfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea bestreiten muss (Hinspiel 3:0). Am Sonntag hat der deutsche Meister nach drei Wochen Pause das Training wieder aufgenommen. Aber kommen die Münchner schnell wieder in die notwendige Bestform für das realistische zweite Triple nach 2013? Und welche Spätfolgen könnte der viel zu kurze Sommerurlaub auf die Form der Bayern-Stars in der vollgestopften nächsten Saison mit sich bringen, an deren Ende bekanntlich ja auch noch eine EM ausgetragen werden soll?

Der zweite deutsche Teilnehmer RB Leipzig hat neben der unkonventionellen Terminierung mitten in der Vorbereitung vor dem Viertelfinal-Duell gegen Atlético Madrid noch mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen: Top-Stürmer Timo Werner ist beim Blitzschach von Lissabon gar nicht mehr dabei, weil er zum FC Chelsea gewechselt ist.