Kommentar

Börse im Höhenrausch

Rolf Obertreis über den neuen Dax-Rekord

Die Wirtschaft brummt in den USA und in Europa. Auch in den Schwellenländern läuft die Konjunktur. Das verspricht für die Unternehmen gute bis sehr gute Geschäfte und weiter steigende Gewinne. Besonders für deutsche Firmen, die ihre Produkte vor allem exportieren.

Das treibt auch die Anleger zu weiteren Aktienkäufen und hat dem Deutschen Aktienindex Dax gestern zu einem neuen Rekordhoch verholfen. Zudem stützen die niedrigen Zinsen die positive Entwicklung an der Börse. Sparanlagen und Anleihen werfen wenig bis nichts ab, während Aktien neben oft steigenden Kursen gemessen an den vermutlich auch für 2017 wieder höheren Dividenden eine Rendite von drei bis vier Prozent bringen.

Politische Risiken treten dagegen in den Hintergrund: War etwas mit Nordkorea? Ist Kataloniens möglicher Weg in die Unabhängigkeit und damit die Spaltung eines großen Landes in der EU kein Problem? Terrorgefahren? An der Börse interessiert die Politik derzeit wenig. Die Kurse steigen, sogar in den angeblich kritischen Börsenmonaten September und Oktober.

Um 7,5 Prozent hat der Dax seit Ende August zugelegt. Die Zwischenbilanz für dieses Jahr liegt bisher bei plus 13 Prozent. Börse und Börsianer sind bester Stimmung. Bald sollte die Marke von 13 000 Punkten überwunden werden. Und dann? Viele blicken weiter nach oben, schließlich stimmt das Umfeld.

Euphorie ist immer aber auch ein Warnsignal. Jedem Anleger muss klar sein: Die Börse kennt nicht nur eine Richtung. Es kann schnell wieder nach unten gehen, obwohl derzeit nicht viel dafür spricht. Trotz des neuen Dax-Höchststandes muss daran erinnert werden: Es macht Sinn, mit Geld, das nicht kurzfristig benötigt wird, auf solide Aktien zu setzen, aber es macht wenig Sinn, jeden Tag auf die Kurse und den Dax zu schauen. An der Börse ist in der Regel erfolgreich, wer langen Atem hat und mindestens fünf Jahre dabeibleibt. Und nicht auf eine Aktie, sondern auf mehrere Papiere setzt.

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