Kommentar

Böses Erwachen

Alexander Jungert zur Gewinnwarnung bei Daimler

Der neue Konzernchef Ola Källenius, erst wenige Wochen im Amt, erlebt schon die zweite Gewinnwarnung. In Stuttgart gibt es ein böses Erwachen: Auch Daimler hat einen handfesten Dieselskandal. Zudem gab es genügend Hinweise, dass die Autokonjunktur schwächelt. Die Börse reagiert geschockt auf die Nachrichten des einst so erfolgsverwöhnten Konzerns.

Zu allererst sind die Gründe für die Gewinnwarnung hausgemacht. Daimler hat in der Dieselaffäre eine „Neueinschätzung im Zusammenhang mit laufenden behördlichen und gerichtlichen Verfahren vorgenommen“, wie es in der Pressemitteilung umständlich heißt. Der Autohersteller hält die eingebaute Motorsoftware zwar für rechtmäßig. Allerdings scheinen die Stuttgarter nicht mehr der Meinung zu sein, damit vor Gericht zu bestehen. Das erklärt die zusätzlichen Rückstellungen. Neben der Dieselaffäre wird die Partnerschaft mit Takata wegen fehlerhafter Airbags teuer. Ein denkbar schlechter Start für Vorstandschef Källenius, der den Konzern eigentlich auf mehr Profit trimmen will.

Das gebremste Wachstum der Automärkte selbst hatte sich angekündigt. Mehrere Zulieferer, darunter Fuchs Petrolub aus Mannheim und die BASF aus Ludwigshafen, mussten ihre Prognose nach unten korrigieren. Es wird immer offensichtlicher, dass die deutsche Industrie schwächelt.

 
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