Kommentar

Botschafter seines Sports

Christian Rotter über die Profikarriere von Marcel Goc

Marcel Goc hat seine Knochen lange genug hingehalten, nach dieser Saison ist Schluss. Die Entscheidung des Adler-Kapitäns kommt nicht überraschend und ist absolut nachvollziehbar. Vor allem während der zwölf Jahre in Nordamerika kam seine Familie oft zu kurz. In der besten Eishockey-Liga der Welt verdiente er zwar gutes Geld, doch auch er musste am eigenen Leib erfahren, dass Spieler ohne viel Federlesens hin- und hergeschoben werden.

Nicht nur sportlich hinterlässt Goc bei den Adlern eine große Lücke. Ja, er war nach seiner Nordamerika-Rückkehr im Jahr 2015 ziemlich verletzungsanfällig, bessere Defensivstürmer sind in der Deutschen Eishockey Liga aber rar gesät – wenn es überhaupt einen gibt. In den Play-offs 2019 hat er seine ganze Klasse gezeigt und war ein entscheidender Faktor bei der erfolgreichen Jagd auf die Meisterschaft.

Goc weiß aber nicht nur, worauf es auf dem Eis kommt. Er ist geerdet, ein „Musterprofi“, wie Adler-Gesellschafter Daniel Hopp den 36-Jährigen mit einem Wort treffend charakterisiert.

Goc ist ein Botschafter seines Sports. Insofern wäre es sträflich, wenn die Adler – und auch der Deutsche Eishockey-Bund – nicht alles daran setzen würden, sich seine fachlichen und menschlichen Qualitäten zu sichern. Es ist zwar klar, dass die Mannheimer nicht für jeden Ehemaligen einen Job in ihrer Organisation erfinden können – einen Platz für Goc muss es aber geben.

Insofern ist es ein gutes Zeichen, dass es bereits Gespräche gegeben hat. Mit seiner großen Erfahrung und Geduld ist der Kapitän der Olympia-Helden von Pyeongchang prädestiniert für die Nachwuchsarbeit.

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