Kommentar

Brisante Pläne

Peter Reinhardt erwartet in der Metallindustrie nach mehreren gemäßigten Tarifrunden in diesem Winter einen harten Kampf

 

Noch ist es nur eine Empfehlung des Bundesvorstandes. Aber die regionalen Tarifkommissionen der IG Metall werden in zwei Wochen die Sechs-Prozent-Marke sicher als endgültige Lohnforderung beschließen. Angesichts der guten Ertragslage in der Metallindustrie geht die Gewerkschaft damit an den oberen Rand des noch begründbaren Rahmens. Ihre Brisanz erhalten die Verhandlungen durch die Arbeitszeitpläne der Gewerkschaft. Jeder Beschäftigte soll für zwei Jahre seine Wochenarbeitszeit auf 28-Stunden-Woche reduzieren dürfen. 1984 hatte sich die IG Metall die 35-Stunden-Woche auf die Fahnen geschrieben und diese in mehreren Stufen durchgesetzt. 2017 versucht sie den Einstieg in eine weitere Arbeitszeitverkürzung durch die Hintertür.

Die IG Metall hat diese Tarifrunde von langer Hand vorbereitet und die Basis auf die Arbeitszeitkomponente eingeschworen. Für viele Arbeitnehmer wäre eine befristete Senkung der Arbeitszeit, etwa zur Pflege von Angehörigen oder Erziehung von Kindern, durchaus attraktiv. Das ist auch gesellschaftspolitisch populär. Die Forderung nach einem finanziellen Ausgleich begrenzt die Gewerkschaft auf diese Gruppen, um sich nicht das Wohlwollen der Öffentlichkeit zu verscherzen. Wer zu seinem Vergnügen ein paar Stunden weniger arbeitet, soll entsprechend weniger verdienen.

Die Kombination aus mehr Geld und weniger Arbeitszeit summiert sich für die Betriebe zu einer heftigen Belastung. Um die Stimmung bei den Arbeitgebern nicht noch weiter anzuheizen, verkneift sich die Gewerkschaft eine Zahl für den geforderten Zuschuss. Nach mehreren Jahren mit vergleichsweise friedfertigen Tarifrunden droht diesmal ein Kampf auf Biegen und Brechen. Denn fallenlassen kann die IG Metall ihre überzogene Forderung nun nicht mehr.

Die Gewerkschaft muss aufpassen, dass sie den Ast nicht absägt, auf dem sie sitzt. Den Anspruch auf Arbeitszeitverkürzung begründet sie mit der Sicherung der Fachkräfte durch attraktive Jobs. Wenn viele Beschäftigte solche Angebote nutzen, brauchen die Betriebe tatsächlich zusätzliche Mitarbeiter. Die aber finden sie aber schon heute in vielen Fällen nicht mehr.

Es gehört zum tarifpolitischen Spiel, dass die Arbeitgeber die Kosten jetzt zu ihren Gunsten hochrechnen. Nicht zu übersehen ist aber, dass beide Seiten so weit auseinanderliegen wie schon lange nicht mehr.

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