Kommentar

BTHVN, ein Satz mit X

Archivartikel

Stefan M. Dettlinger zu den Erwartungen an das Beethovenjahr

Es ist zwar nur ein kleines Zeichen, aber eines, das uns zeigt, welche Ausstrahlung dem Mann zugetraut wird: Nicht nur die Kampagne seiner Geburtsstadt Bonn zum Beethovenjahr lautet „BTHVN2020“, auch das Label Deutsche Grammophon schreibt auf seine Gesamtausgabe mit 175 Stunden Musik „BTHVN 2020“. Das passt zu ihm, dem Neuerer, musikalischen Mauereinreißer und Revolutionär – zumal er selbst lange vor Rockbands wie INXS und MGMT oder heutigen Namen wie Flckr Vokale einsparte. Briefe und Partituren signierte er bisweilen mit „Bthvn“.

Menschliche Musik

Nun ist es also da, das Jahr, in dem Ludwig van Beethoven vor 250 Jahren geboren wurde. Alle feiern. Warum? Starpianist und Beethovenpreisträger Igor Levit bringt es im Essay für diese Zeitung auf die Formel: „Beethoven hat die menschlichste Musik geschrieben. Alles, was uns Menschen ausmacht, an Charakteren und Emotionen, an Gedanken, ist integraler Bestandteil seiner Musik.“ Beethoven ist, neben dem universellen Bach und dem göttlich-genialen Mozart, d i e tragisch-menschliche Ikone der Klassik. Umso verwunderlicher ist, dass seine Popularität in der Region 2020 nicht genutzt wird. In Berlin gibt es Zyklen, in München, Bremen, Wien, Dresden, Frankfurt, Köln, Chemnitz, Zürich und so fort. Hier? Nichts!

Region vergibt Chance

Klar wird Beethoven immer gespielt. Aber BTHVN 2020 wäre doch eine Marketingchance gewesen! Ausgerechnet die Mannheimer Philharmoniker sind bislang die Einzigen, die eine Aktion machen. Ende Februar führen sie alle fünf Klavierkonzerte an einem Abend auf. Und Mannheims Intendant Albrecht Puhlmann hat auch etwas für das Spätjahr angekündigt. Aber traurig, dass es sonst keine Sonaten-, Streichquartett-, Kammermusik- oder Sinfoniezyklen gibt und es ansonsten in Heidelberg, Ludwigshafen und Mannheim heißt: WRWHLNXMTBTHVN (war wohl nix mit Beethoven).