Kommentar

Bündnis am Ende?

Detlef Drewes zieht nach dem Nato-Gipfel Bilanz

 

Man kann diesen Nato-Gipfel so bilanzieren, wie es die Bundeskanzlerin getan hat. Dann ist vom ,,Geben und Nehmen“ und von einem ,,klaren Bekenntnis zum Bündnis“ die Rede. Aber dazu gehört schon viel Harmoniesucht und die Bereitschaft, die Wirklichkeit nahezu komplett auszublenden. Donald Trump hat für den befürchteten Eklat gesorgt – und einen Scherbenhaufen hinterlassen.

Die Nato ist kein Verein, für den Mitgliedsbeiträge fällig werden. Die Staaten investieren in ihre Verteidigungsfähigkeit, aber auch in die Entwicklung von Regionen, um diese zu befrieden. Das sind unterschiedliche Zugänge, um potenzielle Konflikte zu entschärfen. Nur Panzer und Jagdbomber zu zählen, bringt nicht weiter.

Trotzdem muss sich die Allianz Kritik gefallen lassen. Die Lasten sind nicht fair verteilt. Das ist keine Weisheit Trumps. Diese Feststellung trafen andere schon vor ihm. Tatsächlich haben die Mitgliedstaaten vor Jahren – ausgelöst durch Russlands Verhalten – beschlossen, ihre Wehretats zu steigern. Dass dies über den Zeitraum von einem Jahrzehnt geschehen sollte und man sich nur auf das Zwei-Prozent-Ziel ,,zubewegen“ wollte, war schwach. Denn es führte dazu, dass die Bündnispartner ihre Verteidigungsausgaben lediglich aufhübschen konnten. Geschehen ist wenig. Der Zustand der Bundeswehr reicht als Beleg.

Doch die Stärkung der Allianz erreicht man nicht, indem man sie schwächt. Und genau das hat Trump nun getan.