Kommentar

Bürger sollen entscheiden

Archivartikel

Detlef Drewes über Sinn und Unsinn der Sommerzeit: Für den Binnenmarkt bleibt es unerheblich, wie die Uhren ticken

Weihnachten mit Sommerzeit? Sollte sich dieses Ergebnis bestätigen, wäre es keine Überraschung. Der öffentliche Konsens über die zwei Mal jährliche Umstellung der Uhren ist längst verloren gegangen, weil sich der Sinn nicht mehr erschließt. Energie wurde in der Europäischen Union nie wirklich und in nennenswertem Umfang eingespart. Dafür mehren sich inzwischen die ernstzunehmenden Hinweise darauf, dass es in den Tagen nach dem Start der winterlichen Normal- oder der Sommerzeit zu erheblichen Auswirkungen für Mensch und Tier kommt.

Aber damit ist die wichtigste Frage, die die Menschen besonders beschäftigt, noch unbeantwortet: Welche Zeit darf’s denn künftig sein? Der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, wäre gut beraten, dies den Mitgliedstaaten zu überlassen, aber dennoch dafür zu sorgen, dass es kein Flickwerk gibt. Denn die Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten erscheinen doch zu groß. Finnland muss nicht die gleiche Zeit wie Italien haben. Aber alle sollten die Frage, wie sie ihre Uhren künftig stellen, daran orientieren, ob sie die natürliche Helligkeit am besten ausnutzen.

Für den Binnenmarkt bleibt es unerheblich, sollten Deutschland und der Süden die Sommerzeit einführen, während der Norden an der Normalzeit festhält – so lange der verschwindende Unterschied eben nicht mehr als eine Stunde beträgt. Viel wichtiger wäre es aber, wenn die Mitgliedstaaten das Vorbild der Kommission aufgreifen und ihre Bürger an der Entscheidung beteiligen würden.