Kommentar

Chance auf Entspannung

Archivartikel

Finn Mayer-Kuckuk begrüßt Trumps Nordkorea-Politik

Donald Trump betritt nordkoreanischen Boden und lädt Diktator Kim Jong Un ins Weiße Haus ein. Das klingt auf den ersten Blick wie Wahnsinn. Trump wertet Kim zum gleichberechtigten Gesprächspartner auf und stützt damit dessen Machtposition. Er macht also ein enormes Zugeständnis, ohne dass Kim eine einzige Atombombe verschrottet hat.

Doch Trump ist nicht der Depp, als der er manchmal dargestellt wird – seine Methoden funktionieren zum Teil, und er ist bereit, auch gegen Expertenrat neue Ansätze auszuprobieren. Trumps Vorgänger haben den Kontakt zu den Machthabern in Nordkorea vermieden. Die Strategie bestand darin, Nordkorea zu isolieren, um es zum Einlenken zu zwingen. Doch das hat sechseinhalb Jahrzehnte lang nicht funktioniert. Druck von außen schweißt Nordkorea zusammen und macht es aggressiv.

Trump versucht es nun mit Umarmung. Wenn Nordkorea wirklich abrüstet und dafür Zugang zum Welthandel erhält, würde das Kim zunächst innenpolitisch stützen. Zugleich wächst jedoch auch der Druck, Reformen im chinesischen Stil zuzulassen. Dieses Szenario bietet die beste Chance für einen Abbau der Spannungen und für ein menschenwürdiges Leben für die Nordkoreaner.