Kommentar

Chancen eröffnet

Archivartikel

Peter W. Ragge zum angekündigten Wieczorek-Abschied

Alfried Wieczorek in Pension? Zunächst will man das gar nicht glauben, wenn man den dynamischen, charismatischen Direktor im Alltag erlebt. 1990 kam er an das Haus, 1999 übernahm er die Leitung – und er hat es ganz gewaltig umgekrempelt, es enorm vorangebracht, das lange verschlafene Stadtmuseum in einen international agierenden Museumskomplex, herausragenden Ausstellungsstandort und bedeutendes Forschungszentrum verwandelt.

Er hat das nicht allein gemacht – aber zwei herausragende Fähigkeiten: Wieczorek kann Spender, Stifter, Kooperationspartner sowie Leihgeber auf der ganzen Welt gewinnen und langfristig binden. Zudem scharte er ein gutes Team an Fachleuten um sich herum, das er gut zu motivieren versteht. Seine Dankesworte bei Ausstellungseröffnungen sind keine Pflichtübungen, sondern kommen von Herzen.

Dennoch ist klar, dass angesichts des Lebensalters irgendwann die Pensionierung ansteht. Dass er das jetzt, mehr als zwei Jahre zuvor, der Stadtspitze signalisiert, eröffnet die Chance, rechtzeitig auf die Suche nach einem qualifizierten Nachfolger zu gehen. Wieczorek sollte man dabei einbeziehen. Das macht ihn aber keinesfalls zum Chef auf Abruf – im Gegenteil. Die neue Struktur des zweiten, nicht städtischen Standbeins des Museums, der REM gGmbH, zeigt klar, dass mit ihm weiter zu rechnen ist – und das ist gut so.