Kommentar

China triumphiert

Archivartikel

Thomas Spang zur Rede Donald Trumps vor der Vollversammlung

In nicht einmal zwei Jahren hat Donald Trump die USA von der Führungsmacht des Westens zu einer Lachnummer degradiert. Sprichwörtlich. Als der Präsident in seiner zweiten Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen die unvergleichlich großartigen Leistungen seiner Regierung hervorhob, brachen die versammelten Staats- und Regierungschef spontan in Gelächter aus. Während sich das „böse Kind“ der Weltpolitik freut, wenn andere sich über seine Provokationen aufregen, geht dem Narziss sichtbar unter die Haut, ausgelacht zu werden.

Diese Reaktion erweist sich als effektives Rezept, den selbstverliebten Präsidenten zu verunsichern. Dabei ist der Entwurf seiner parallelen Wirklichkeit vor den Vereinten Nationen in der Sache eine ziemlich traurige Angelegenheit. Zumal Trump kaum jemand in diese Sphären folgt, in denen sich früher einmal illusionäre Sowjetführer, arabische Despoten und lateinamerikanische Populisten bewegt haben.

Niemand dürfte sich mehr über die Selbstdemontage freuen als die Volksrepublik China, die von dem Rückzug der Supermacht profitiert wie kein anderes Land. Es verheißt nichts Gutes für die Welt, wenn das kommunistische Regime in Peking als verlässlicher und vernünftiger gesehen wird als die USA. Nirgendwo wird der schwindende Einfluss deutlicher als beim Iran. Während Trumps Appell zur Isolierung des Gottesstaates verpufft, formiert sich eine Koalition aus Europäern, Russen und Chinesen, die an den Prinzipien der Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit festhalten will. Im Widerspruch zu Trump soll eine Zweckgesellschaft gegründet werden, deren Ziel darin besteht, die einseitigen Sanktionen der USA zu unterlaufen. Keine zwei Jahre nach Beginn der Präsidentschaft zeichnet sich bei der Vollversammlung der Versuch ab, das Vakuum zu Füllen, das der Nationalist im Weißen Haus hinterlässt.

Zum Thema