Kommentar

Corona-Fälle im Sport: Ansteckung mit Ansage

Archivartikel

Marc Stevermüer kommentiert die hohen Infektionszahlen im Profisport und kritisiert die "Augen-zu-und-durch-Manier" der Entscheider.

Es ehrt ihn, dass Frank Bohmann als Chef der Handball-Bundesliga im Nachhinein auf keinen Fall als Besserwisser dastehen wollte. Das musste er aber auch nicht explizit. Es wusste ohnehin jeder, dass der Liga-Boss recht behalten hatte. Eindringlich warnten die Clubs und er vor der Corona-Infektionsgefahr in der vergangenen Länderspielwoche. Reisen durch Europa, verschiedene Spieler aus unterschiedlichen Vereinen – eine mehr oder weniger schwer kontrollierbare Situation, weshalb anschließend die positiven Corona-Fälle kaum noch jemanden verwunderten. Die Infektionen waren traurigerweise so etwas wie eine Ansteckung mit Ansage.

Seit Wochen raten Virologen, Wissenschaftler und Politiker dazu, die Kontakte zu minimieren, wenig zu reisen, vorsichtig zu sein. Und was macht der Profisport? In bester Augen-zu-und-durch-Manier ignoriert er alle Warnungen. So nach dem Motto: Es wird schon gut gehen. Ging es aber nicht.

Denn die Handball-Nationalmannschaft ist ja längst kein Einzelfall. Man erinnere sich nur an die Fußballprofis Manuel Akanji von Borussia Dortmund sowie Andrej Kramaric und Kasim Adams von der TSG Hoffenheim, die nach Länderspielreisen nicht nur ihr Gepäck bei sich hatten, sondern auch das Virus in sich trugen. Mit mittlerweile gravierenden Folgen für die Hoffenheimer: Die Infektionen innerhalb der Mannschaft reißen nicht ab, was übrigens fatal an die Bundesliga-Handballer der Rhein-Neckar Löwen im Frühjahr erinnert. Reihenweise wurden dort die Spieler positiv auf Corona getestet, das Virus breitete sich aus wie ein Flächenbrand.

Es wäre also einfach nur logisch, die Gefahr durch eine Aussetzung der Europapokalwettbewerbe und einen Verzicht auf Länderspiele zu minimieren. Doch das will keiner hören, es geht ja schließlich um Geld. Und das genießt leider im Profisport einen höheren Stellenwert als die Gesundheit der Spieler.

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