Kommentar

Da hilft nur warten

Detlef Drewes zum heutigen EU-Gipfeltreffen

 

Europa ist ihre Hoffnung. Die sechs Länder des Westbalkan, die seit langem an die Türe der Gemeinschaft klopfen, brauchen Zusagen – nicht nur Versprechungen. Sie alle wollen den EU-Staats- und Regierungschefs in Sofia heute deutlich machen, dass eine europäische Perspektive nicht nur als politisches Signal, sondern auch als Botschaft für die eigene Bevölkerung notwendig ist.

Niemand muss den Regierungen in Belgrad, Pristina oder Tirana erklären, dass sie noch nicht beitrittsreif sind. Aber ohne eine realistische Aussicht auf EU-Mitgliedschaft fehlen die Entschlossenheit und auch die Bereitschaft, Reformen anzugehen. Die bleiben aber wiederum notwendig, um eines Tages als vollwertiges europäisches Mitglied in Brüssel am Tisch zu sitzen.

Dabei stellen sich die Herausforderungen größer als in vielen anderen Ländern dar, die in der Vergangenheit nach Europa drängten. Der Krieg in den 90er Jahren hat seine tiefen Spuren hinterlassen. Serben und Kosovaren müssen über ihre Schatten springen und den jeweils anderen anerkennen. Das braucht Zeit, vielleicht viel Zeit. Die EU hat nicht nur Hilfen und Geld anzubieten. Sie kann auch Druck erzeugen, wenn sie auf Aussöhnung besteht. Das wird die eigentliche Reifeprüfung für viele Regionen sein, die auf Europa warten.

Zum Thema