Kommentar

"Das Bayreuth der Region"

Archivartikel

Ralf-Carl Langhals zum Programm der Festspiele 2017

 

In der Theaterbranche ist es üblich, seine Veranstaltungen und Festivals mit Superlativen und blumigen Adjektiven anzukündigen. So zog dereinst bereits Dieter Wedel - und auch schon sein Nachfolger Nico Hofmann - den vollmundigen Vergleich der Wormser Nibelungenfestspiele mit den renommierten Festival-Großklassikern Bayreuth und Salzburg. Wahr war es nie und wird es noch lange nicht sein.

Wenn aber Tilman Gersch die Vorstellung seiner zeitlich problematisch zerdehnten Festspiele, die bei aller Qualität letztlich doch nur Programmhöhepunkte der Gesamtspielzeit sind, mit dem Wunsch endigt, dass sein Haus, "das Bayreuth der Region werden möchte", nimmt sich das bescheidener aus.

Zum einen formuliert er einen Wunsch und keine Behauptung, zum anderen versteht er den Pfalzbau als ein "qualitatives Gastspielhaus, das für Vielfalt, Qualität und Teilhabe" steht. Wichtiger und richtiger ist dabei, dass er (vor zu leeren Reihen) Dinge zeigt, "die es sonst in der Region nicht zu sehen gibt", was nebenbei auch darüber hinaus für Mainz, Wiesbaden, Karlsruhe und sogar Frankfurt und Stuttgart gilt. Das Deutsche Theater Berlin, eine geballte Ladung Wiener Burgtheater, dazu Tanz der zurzeit renommiertesten Choreographen und Compagnien... Wo, bitte, gibt es das, zumal für (im Vergleich) kleines Eintrittsgeld?

Doch trifft man Heidelberger oder Mannheimer Schauspiel- und Ballettfreunde bei den sensationellen Programmpunkten? Ehrlich gesagt - und freilich rein subjektiv - sehr selten; noch nicht einmal die hiesigen Schauspieler selbst finden über den Rhein.

Man kann Tilman Gersch nur wünschen, dass es ihm gelingt, die provinzielle Publikumsangst vor dem Rheinübertritt abzubauen, denn die (Schauspiel- und die Tanz-)Musik spielt auch in diesem Jahr wieder in Ludwigshafen. Dieser Ruf sollte gehört werden, bei Theaterfreunden und rheinland-pfälzischen Kulturpolitikern gleichermaßen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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