Kommentar

Das Ende der Erholung

Archivartikel

Marc Stevermüer zum Marathon-Jahr der Handballer

Wenn Profi-Handballer einen Wunsch für ihre Sportart äußern dürfen, fällt die Antwort fast immer gleich aus. Weniger Spiele wären nicht schlecht, noch größer ist aber die Sehnsucht nach mehr Zeit für Erholung im Sommer. Nun ja, das mit der längeren Ruhephase hat in diesem Jahr geklappt. Es war nur nicht so geplant.

Mit der Atempause nach dem durch Corona erzwungenen Nichtstun ist es von nun an ohnehin vorbei. Denn es geht nicht nur weiter wie vorher, es wird sogar noch schlimmer. Geht nicht? Geht doch!

Die Bundesliga? Aufgestockt. Mehr Teams. Mehr Spiele. Insgesamt 38 Partien. Die Champions League? Wurde gestartet. Mit weniger Mannschaften, aber weiterhin 14 Gruppenspielen. Vierzehn! Das Finalturnier der zurückliegenden Saison in der Königsklasse? Wird nachgeholt, zwischen Weihnachten und Neujahr. Woanders war kein Platz mehr im Kalender. Zumal im Januar die Weltmeisterschaft startet. Natürlich mit aufgestocktem Teilnehmerfeld. Aber bevor es nach Ägypten geht, muss kurz nach Silvester noch schnell die EM-Qualifikation gespielt werden. Pause im Februar? Natürlich nicht. Weiter geht’s mit der Bundesliga bis Juni, zwischendurch muss sich die deutsche Nationalmannschaft aber noch in drei Spielen in drei Tagen das Olympia-Ticket sichern. Und ein Pokalsieger wird auch noch gekürt.

Keine Frage: Dieser Spielplan hat etwas von einem Attentat auf die Gesundheit der Profis. Auf 70 bis 80 Partien wird manch ein Spitzenspieler in den nächsten neun Marathon-Monaten kommen, ehe es in die Sommerpause 2021 geht: Ach ne, die fällt ja auch aus. Ein olympisches Handball-Turnier wird noch gespielt. So viel zum Thema Besinnung und Solidarität in Zeiten der Corona-Pandemie.

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