Kommentar

Das Ende der Euphorie

Archivartikel

Marc Stevermüer zum Saisonstart des VfB Stuttgart

Die Aussagekraft der Bundesligatabelle ist nach zwei Spieltagen noch überschaubar. Erinnern wir uns: Vor einem Jahr stand der Hamburger SV zu diesem Zeitpunkt mit sechs Punkten zusammen mit Bayern München und Borussia Dortmund an der Tabellenspitze. Wie die Saison für die Hanseaten endete, ist hinlänglich bekannt. Insofern sollte der VfL Wolfsburg jetzt nicht von der Champions League träumen und der VfB Stuttgart muss keinesfalls panisch werden – wenngleich die bisherigen Auftritte der Schwaben enttäuschend waren.

Gewiss ist eine Heim-Niederlage gegen Bayern München immer möglich. Ein wenig mehr Mut hätte man sich vom VfB aber schon gewünscht. Doch in der Offensive gelang den Stuttgartern wenig. Wie schon beim 0:1 in Mainz; und wie schon beim Pokal-Aus gegen Drittligist Rostock. Es sind insbesondere die beiden letztgenannten Auftritte, die den Schwaben zu denken geben sollten und die erst einmal für einen heftigen Stimmungsdämpfer sorgen. Denn nach starker Rückrunde, guter Saisonvorbereitung und einigen spannenden Transfers sind die Ansprüche in Stuttgart gestiegen.

Das bedeutet ganz und gar nicht, dass Trainer Tayfun Korkut den Club in die Europa League führen muss. Aber was man von ihm sehen will, ist eine Weiterentwicklung der Mannschaft. Mit zweckmäßigem Defensivfußball führte der Coach den VfB in der vergangenen Saison als zweitbeste Rückrundenmannschaft souverän zum Klassenerhalt.

Nach der 30-Millionen-Euro-Investitionsoffensive im Sommer ist nun allerdings auch die personelle Steilvorlage da, um nicht mehr nur mit einer kompakten Defensive zum Erfolg zu kommen. Oder anders ausgedrückt: Der Zweck heiligt von nun an längst nicht mehr die Mittel. Neben dem Ergebnis kommt es künftig auch auf das Erlebnis an. Bislang stimmt beides nicht, weshalb es im Herbst ganz schnell ganz gefährlich für Korkut werden kann.