Kommentar

Das falsche Mittel

Archivartikel

Thorsten Hof zum wegweisenden Urteil gegen den SVW

Neun Punkte Abzug standen im Raum, am Ende sind es nun drei Minuszähler, mit denen Fußball-Regionalligist SV Waldhof in die neue Saison starten soll. Dass den Club als Wiederholungstäter und teilweise Mitschuldiger an den pyrotechnischen Exzessen vom 27. Mai sowie mit Blick auf seinen laschen bis fahrlässigen Umgang mit den eigenen Fans die volle Breitseite aus Frankfurt treffen würde, war absehbar und ist verdient. Ob dabei ein Punktabzug das richtige Mittel ist, darf dagegen bezweifelt werden – denn er trifft in erster Linie die Falschen.

Nicht umsonst hat der Deutsche Fußball-Bund bisher an seiner Maxime festgehalten, nicht in letzter Konsequenz direkt die Sportler dafür zu bestrafen, wenn sich ihre Anhänger daneben benehmen. Wer am Ende Meister wird oder absteigen muss, sollte immer noch auf dem Rasen entschieden werden, solange ein Club nicht bei der Lizenzierung schummelt und sich so einen Vorteil verschafft.

Auch der erzieherische Effekt für den unbelehrbaren Teil des Umfelds ist durchaus diskutabel, denn den Chaoten, die den Spielabbruch in Mannheim zum Teil mit Ansage provozierten, ist es ohnehin egal, in welcher Liga ihr Team spielt.

Zudem muss sich der DFB fragen lassen, warum er sich nun gerade einen Viertligisten vorgenommen hat, um ein Grundsatzurteil zu fällen und damit eine Drohkulisse für alle anderen Vereine aufzubauen. Denn ohne etwas verharmlosen oder relativieren zu wollen: Auch in den höheren Spielklassen gab es schon ausreichend Vorfälle von einschlägig bekannten Vereinen, die ein ähnlich hartes Durchgreifen gerechtfertigt hätten. Aber wo es um Millionen, Hochglanz-Sponsoring und die internationalen Fleischtöpfe geht, ist die Rechtsprechung des Fußball-Verbands bislang weitaus vorsichtiger gewesen.

Sollte der Punktabzug auch letztinstanzlich Bestand haben, muss sich der DFB in Zukunft deshalb an diesem Grundsatzurteil messen lassen, während der SV Waldhof ganz unabhängig davon gut beraten ist, endlich seine fälligen Hausaufgaben zu erledigen.

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