Kommentar

Das Fanal von Chemnitz

Alexander Müller zum Nazi-Skandal in der Regionalliga

Es tun sich Abgründe auf, die fassungslos machen. Ein stadtbekannter Neonazi, der vor einem Regionalliga-Spiel mit einer Schweigeminute und einem Trauervideo gewürdigt wird. Ein Spieler, der beim Torjubel mit einem T-Shirt die örtliche Hooligan-Szene grüßt, die einst als „Hoonara“ firmierte – die Abkürzung für Hooligans, Nazis, Rassisten. Ein von der rechtsextremen Szene unterwanderter Verein, der es nicht mehr aus eigener Kraft schafft, den braunen Sumpf im eigenen Fanblock trockenzulegen.

Was in diesen Tagen beim Chemnitzer FC passiert, ist beschämend für den deutschen Fußball. Und es dient als ein Fanal dafür, welches Schicksal Vereinen droht, die rechtsextremistische Tendenzen und Gewalt unter ihren Anhängern nicht im Ansatz und entschieden bekämpfen: Sie können von den Feinden unserer Demokratie in Geiselhaft genommen werden.

Schon beim oft gehörten Spruch „Die Kurve ist unpolitisch“ müssen in den Clubs alle Alarmglocken angehen. Denn dahinter steckt meistens der Versuch von interessierter rechter Seite, Initiativen eines Vereins gegen Rassismus und Gewalt, für Menschenrechte und Toleranz zu diskreditieren. Doch diese Grundwerte haben nichts mit politischen Ansichten zu tun, sie sind die unantastbare Basis unseres friedlichen Zusammenlebens.

Wir brauchen deshalb mehr Vereinspräsidenten wie den Frankfurter Peter Fischer, der eine Mitgliedschaft bei der Eintracht mit einer Stimme für die AfD grundsätzlich für unvereinbar hält. Oder Initiativen wie die mit dem Julius-Hirsch-Preis des DFB ausgezeichnete Waldhof-Fangruppe „Doppelpass“ gegen Gewalt und Rassismus. Und der DFB selbst muss das unter der aktuellen Führung zu stiefmütterlich behandelte Thema wieder ganz nach oben auf die Agenda setzen. Jeder für die Prävention gegen Rechts verwendete Euro ist bestens investiert.

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