Kommentar

Das Monopol verteidigt

Archivartikel

Detlef Drewes über das Urteil des EuGH zu Autoersatzteilen

Es ist ein erstaunliches Urteil, das der Europäische Gerichtshof gefällt hat. Ausgerechnet jene Institution, die sonst mit Argusaugen über den freien und ungehinderten Marktzugang wacht, akzeptiert nun die Praxis einiger Autohersteller, die jeden Kniff nutzen, um privaten Werkstätten und Ersatzteil-Händlern das Leben schwer zu machen. Denn um nichts anderes geht es. Längst hat die EU eine Verordnung erlassen, die unmissverständlich festlegt, dass die Autobauer ihre Verzeichnisse öffnen müssen, damit die Kunden zwischen Original-Ersatzteilen und gleichwertigen, aber preiswerteren Alternativen wählen können.

Weil in diesem „Erlass“ aber nur die Öffnung dieser Verzeichnisse gefordert wird, nicht aber auch deren einfache, elektronische Weiterverarbeitung, tun sich die privaten Werkstätten schwer, das exakt passende Ersatzteil zu finden. Ein Schelm, wer hier einen Trick der großen Konzerne vermutet, um sich lästiger Konkurrenz zu entledigen. Denn natürlich „stören“ billigere Anbieter auf einem Markt, der jedes Jahr rund 26 Milliarden Euro umsetzt. De facto haben die Autobauer sich über Jahre hinweg ein Monopol aufgebaut und verteidigen es offenbar bis zum 20. September 2020. Denn dann soll es nach dem Willen der EU mit der Alleinherrschaft über den Autoteile-Handel vorbei sein.