Kommentar

Das Problem der Quarantäne

Archivartikel

Marc Stevermüer zum Europapokal in Corona-Zeiten

Der Europäische Handball-Verband (EHF) veröffentlichte am Donnerstag eine Mitteilung, die zunächst einmal ein wenig kurios klingt. Die Auslosung der Gruppenphase der European League musste kurzfristig abgesagt werden, weil bei einem Mitarbeiter eines technischen Zulieferers – was immer das auch zu bedeuten hat – der Verdacht einer Corona-Infektion besteht. Das wiederum führt zwangsläufig zu der Frage: Wenn schon eine Auslosung an der Pandemie scheitert, wie soll denn dann überhaupt ein Wettbewerb mit Reisen über den ganzen Kontinent funktionieren? Das kann eigentlich nicht schadlos klappen. Und vor allem: Das gilt keinesfalls nur für den Handball, was in der Konsequenz zu der Erkenntnis führt: Mitten in dieser Krise sind Europapokalwettbewerbe in jeder Sportart unangebracht, wenn sie nicht gerade in einem Turniermodus an einem einzigen Ort ausgetragen werden.

Ein Blick auf das Teilnehmerfeld der Gruppenphase in der Fußball-Champions-League reicht. 16 der 32 Starter kommen aus Regionen, die vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiete klassifiziert wurden. Ähnlich, teils noch gravierender ist das Verhältnis bei den Europapokal-Wettbewerben im Handball, in denen schon in den ersten Qualifikationsrunden zur Gruppenphase ein geregelter Betrieb unmöglich war. Teilweise gab es kein Hin-und Rückspiel, sondern wegen Reisebeschränkungen wurde nur eine Partie ausgetragen. Teams aus Norwegen und Island konnten aufgrund geltender Quarantänebestimmungen gar nicht erst irgendwo hinreisen. Diese Clubs schieden kampflos aus. Zuletzt flog der spanische Vertreter BM Benidorm raus, weil er nach seinem Hinspielsieg über Wien mehrere Corona-Fälle im Team hatte und daraufhin nicht zum zweiten Duell nach Österreich fliegen konnte.

Man darf also gespannt sein, was aus den deutschen Profi-Mannschaften wird, wenn künftig – wie von der Politik geplant – ab Mitte Oktober eine fünftägige Quarantäne bei einer Rückkehr aus einem Risikogebiet wirklich verpflichtend wird. Angesichts der Spielplandichte ist das eigentlich nicht möglich. Treten die deutschen Clubs dann lieber gar nicht irgendwo in Europa an, was den jetzt schon fragwürdigen Wettbewerb endgültig wertlos und zu einer Farce machen würde? Oder wird es Sonderregelungen für Profi-Teams geben, weil sie sich in einer sogenannten Blase befinden? Diese Ungleichheit würde aber kein Bürger verstehen.