Kommentar

Das Sané-Theater

Alexander Müller zu den Problemen beim FC Bayern

Die Scouting-Abteilung des FC Bayern hat ein klar definiertes Aufgabengebiet: Interessante Spieler für den Verein zu beobachten, dabei immer auch deren mögliches Entwicklungspotenzial im Blick zu haben und so ihren Beitrag zu einer verlässlichen mittelfristigen Personalplanung der Münchner zu leisten. Schaut man sich das Chaos an, dass rund um die Personalie Leroy Sané in diesem Transfersommer entstanden ist, haben die Bayern auf diesem Feld in der jüngeren Vergangenheit einen sehr schlechten Job gemacht.

Sollte Sané trotz seiner Kreuzbandverletzung doch noch in die Bundesliga wechseln, müssten die Münchner ein Gesamtpaket im Bereich von 200 Millionen Euro für den Nationalstürmer schnüren, das jenseits dessen ist, was der 23-Jährige wirklich wert ist. Zum Vergleich: Eden Hazard wechselte für die ungefähr gleiche Summe vom FC Chelsea zu Real Madrid – und der Belgier verkörpert schon die Weltklasse, in die Sané bei günstiger Entwicklung noch aufsteigen kann.

Das Sané-Theater, zu dem auch das halbe Dutzend Namen mit Alternativlösungen für die offensive Außenbahn gehört, steht sinnbildlich für die gravierenden Defizite in der bayerischen Personalpolitik. Aktionismus ist an die Stelle weitsichtiger und im Stillen vorangetriebener Kaderplanung getreten. Dass die Zeit von Arjen Robben und Franck Ribéry endet, weiß Sportdirektor Hasan Salihamidzic ja nicht erst seit gestern. Jetzt muss er entweder Mondpreise für einen verletzten Spieler bezahlen – oder der Name Sané steht künftig für sein größtes Fiasko.