Kommentar

Dauerhafte Mahnung

Archivartikel

Peter W. Ragge zu den Folgen des Spar-kassenskandals

Der Volksmund kennt den Spruch vom Spatz in der Hand, der besser ist als die Taube auf dem Dach. Nach diesem Prinzip wird jetzt der Sparkassenskandal endgültig zu den Akten gelegt. Alle Beteiligten, die damals die notleidende Sparkasse Mannheim retteten, erhalten Geld – zwar deutlich weniger als ihnen juristisch zusteht, aber zumindest mehr als sie jemals erhoffen konnten.

Die Sparkassenverbände haben dem Ganzen zugestimmt, weil sie ganz andere Sorgen haben. Die enorme Krise der Norddeutschen Landesbank, verschärft durch wackelige Werften nicht nur wegen der Sanierung vom Segelschulschiff „Gorch Fock“, bindet derzeit alle Kräfte. Daher will man keine Nebenkriegsschauplätze mehr.

Teuer für den Steuerzahler

Für die Stadt Mannheim ist das kein schlechter Deal. Für die Sparkasse selbst ist es ein sehr guter Deal. Sie wird damit das Stigma los, dass sie immer noch ein Haus ist, bei dem ein Sanierungsprozess läuft. Aber nicht nur diesen Makel kann die Sparkasse so tilgen, sondern es werden ihr zugleich Fesseln gelöst – sie darf also wieder unabhängiger, freier am Markt agieren.

Für den Steuerzahler bleibt indes unter dem Strich, dass ihn der Skandal mehrere Hundert Millionen Euro gekostet hat. Geblutet hat die Stadt Mannheim, geblutet haben indirekt auch andere Städte, Landkreise und Gemeinden, deren Sparkassen mitzahlten. Denn nur durch die Solidarität der Gruppe untereinander konnte damals der komplette Kollaps des Mannheimer Instituts verhindert werden.

Entstanden ist er, das haben seinerzeit die Strafprozesse gezeigt, durch eine ganz gefährliche Mischung. Herrische Großmannssucht einiger weniger Manager traf auf völlig mangelhafte, ja viel zu laienhafte Kontrolle. Strafrechtlich relevantes pflichtwidriges Verhalten hat damals das Gericht den Kommunalpolitikern im Verwaltungsrat nicht unterstellt. Der teure Skandal sollte aber eine dauerhafte Mahnung sein, viel genauer hinzusehen – bei der Sparkasse wie anderen städtischen Töchtern.

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