Kommentar

Dirk Jansch findet es gut, dass die an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Corona beteiligten Unternehmen die nötige Sorgfalt walten lassen

Dem Druck standhalten

Archivartikel

Dirk Jansch findet es gut, dass die an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Corona beteiligten Unternehmen die nötige Sorgfalt walten lassen

Das weltweite Wettrennen auf der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus darf nicht zur Vernachlässigung von wissenschaftlichen Standards führen. Insofern ist gut zu wissen, dass sich die großen Pharmaunternehmen, die zurzeit mit Hochdruck daran arbeiten, ihrer Verantwortung bewusst sind. Dazu passt, dass am Dienstag neun international konkurrierende Pharma- und Biotech-Konzerne eine gemeinsame Erklärung abgegeben haben. Darin versprechen sie, die Zulassung eines Impfstoffes erst zu beantragen, wenn Verträglichkeit und Wirksamkeit mit einer großen klinischen Studie hinterlegt sind.

Dazu passt auch, dass die britisch-schwedische AstraZeneca ihre Versuchsreihe zunächst gestoppt hat, nachdem es bei einem Probanden zu gesundheitlichen Problemen gekommen ist. Wer eine Medikamentenschachtel öffnet und auf den Beipackzettel schaut, der weiß – keine Arznei ist ohne Risiken und Nebenwirkungen. Auch ein zukünftiger Corona-Impfstoff wird von der einen Person besser vertragen, von einer anderen wiederum schlechter. Um mögliche Beeinträchtigungen auf Körper und Psyche zu erkennen, braucht es gewissenhafte Testreihen, die den nötigen hohen wissenschaftlichen und ethischen Standards genügen.

Dass ausgerechnet Amerika und Russland in einem medizinischen Wettrüsten diese Grundsätze außer Acht lassen, ist geradezu fahrlässig. US-Präsident Trump hätte ein wirkungsvolles Corona-Serum am liebsten noch vor der US-Wahl am 3. November und könnte die Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA durch eine Notfallgenehmigung zur vorzeitigen Freigabe zwingen. Russlands Präsident Putin hat die wichtige dritte Testphase übersprungen und verabreicht den vermeintlich wirksamen Impfstoff gleich mal an 35 000 Freiwillige in Moskau – mit ungewissem Ausgang.

Schon der Umgang mit der Corona-Krise hat gezeigt: Es ist nachteilig für die Bevölkerung, wenn Maßnahmen für politische Zwecke benutzt werden. Das wird bei der Genehmigung eines Impfstoffes nicht anders sein. Bleibt zu hoffen, dass die Pharmakonzerne dem Druck standhalten.

 
Zum Thema