Kommentar

Dem guten Beispiel folgen

Archivartikel

Frank Schumann zum erneuten Anstieg der Reallöhne

Die Lage ist perplex. Während sich die Aussichten der deutschen Unternehmen aktuell von Monat zu Monat verdüstern, rechnet die Mehrheit der Verbraucher weiter mit einer positiven Entwicklung ihres Einkommens. Das verwundert kaum, denn viele Beschäftigte haben dank des jahrelangen Aufschwungs von beständigen Reallohnsteigerungen profitiert. Und sie sind weiter bereit, ihr Geld auch auszugeben: Im zweiten Quartal legten die Konsumausgaben um 0,1 Prozent zu. Damit bleibt der private Konsum – der gut die Hälfte der deutschen Wirtschaftsleistung ausmacht – eine Stütze der Konjunktur.

Diesem guten Beispiel sollte auch der Staat zeitig folgen. Höhere öffentliche Ausgaben würden den konjunkturellen Rückgängen bei den Exporten und in der Industrie ihren Schrecken nehmen. Digitalisierung und Infrastruktur sind nur zwei Bereiche, in denen Deutschland enormen Nachholbedarf hat. Eine solide Schuldenpolitik mag ehrenhaft sein. Aber wichtiger ist es, dem Abschwung entgegenzuwirken. Umso mehr, als Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit automatisch dafür sorgen, dass die Schulden von heute morgen auch zurückgezahlt werden können.