Kommentar

Demokratisch und ohne Panik

Archivartikel

Madeleine Bierlein über den Kampf der Klimaschützer

Selten scheint die Sachlage so klar wie beim Klimawandel. So herrscht unter 99 Prozent der Wissenschaftler Konsens darüber, dass dieser zum einen Menschen gemacht und zum anderen bereits in vollem Gange ist. Sogar die Gegenmaßnahmen sind bekannt. Entsprechend empört verlangen (vor allem junge) Klimaschützer von der Bundesregierung, diese endlich umzusetzen und ihr Klimapäckchen zu erweitern.

In der Sache haben sie ohne Zweifel recht. Und die Zeit wird knapp. Dennoch ist es zwingend notwendig, einen gesellschaftlichen Konsens zu erzielen. Sicher, der Klimawandel lässt sich nicht mehr leugnen und ist damit auch keine Frage der persönlichen Meinung. Doch wie der notwendige Wandel hin zu einer klimaverträglichen Gesellschaft gestaltet werden kann, ist es schon.

Wir alle müssen unseren Konsum, unsere Mobilität, unsere Art zu wirtschaften gewaltig verändern. Das weckt Ängste – und birgt zahlreiche soziale Konflikte. Auch die jungen Menschen von „Fridays for Future“, die am Freitag unter anderem in Mannheim und Ludwigshafen wieder auf die Straßen gingen, haben Angst. Weniger vor einem klimafreundlichen Lebenswandel als vor einer Welt, in der sie eines Tages nicht mehr leben können.

Angesichts der in Zukunft zu befürchtenden Veränderungen mag Angst verständlich sein, gleichwohl darf sie den Blick für das Ziel nicht verstellen. „Fridays for Future“ ist es bislang gelungen, große Teile der Gesellschaft mitzunehmen und die Politik erstmals zum Handeln zu bewegen. Doch wie bei allen Protestbewegungen erscheinen nun radikalere Strömungen auf der Bildfläche. Der Gründer von „Extinction Rebellion“ (Rebellion gegen das Aussterben) etwa hält den Kampf gegen den Klimawandel für wichtiger als die Demokratie. Das aber ist gefährlich. Eine Spaltung der Gesellschaft wäre verheerend. Statt die Lösung im Extremen zu suchen und das Klima der Debatte aufzuheizen, wäre es sinnvoller, weiter Druck auf die Politik auszuüben. Demokratisch und ohne Panik.

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