Kommentar

Den Aufstieg gefördert

Finn Mayer-Kuckuk zum Konflikt zwischen den USA und China

 

Donald Trump scheint die Vorstellung zu hegen, China zur Rückständigkeit verdammen zu können. Der Wunsch, den technischen Vorsprung des europäisch-amerikanischen Kulturkreises zu erhalten, entspricht ganz dem Programm eines fremdenfeindlichen Populisten. Doch China ist in der Weltwirtschaft endgültig angekommen und zeigt heute, dass es neben Fleiß auch Erfindungsgabe besitzt. Es ist weder möglich noch ethisch zu begründen, das Land bei seinem Plan zum Ausbau der Hightech-Branchen zurückzuhalten. Die Entwicklung in China hebt Millionen von Menschen aus der Armut und schafft einen großen Markt auch für deutsche Produkte.

Trump hat zugleich in einem anderen Punkt völlig recht: In der Vergangenheit haben westliche Politiker und Manager den Aufstieg Chinas auf Kosten der eigenen Arbeiterschaft gefördert, indem sie dort billige Massenfertigung erledigen ließen. Die Regierungen haben zudem genau das versäumt, was die Chinesen so gut beherrschen: Die eigenen Märkte industriepolitisch abzusichern, etwa indem sie Regeln für den Technologietransfer aufstellen. Die Unternehmen haben sich in ihrer Gier allzu willig auf das Geschäft eingelassen: Marktzugang gegen Know-how.

China hat sich dagegen über die Chancen gefreut, die es von den Ideologen des Freihandels serviert bekam. Für das Land zählten vor allem der eigene Aufstieg und die schnelle Entwicklung, beides hat es egoistisch und konsequent vorangetrieben. Doch jetzt darüber zu lamentieren, bringt nichts. Und Zölle bewirken erst recht nichts – sie machen bloß beide Seiten ärmer und zerstören Vertrauen.

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