Kommentar

Denken Sie an andere!

Archivartikel

Fast nichts mehr ist, wie es gerade noch war. Unsere Wege, Tagesabläufe, Routinen lassen sich nicht mehr aufrechterhalten. Das Leben steht noch nicht ganz still, aber es wird zu Recht jeden Tag langsamer. Mit jeder von Bund, Land oder Kommune ausgerufenen Eskalationsstufe fühlen sich viele Menschen unsicherer. Ein Paradoxon: Denn jede neue Verschärfung der Regeln ist ja keine Schikane, sondern soll die Sicherheit unserer Gesellschaft und jedes einzelnen Bürgers erhöhen.

Veränderungen irritieren uns, das ist menschlich. Sie stören das, was unserem Leben Halt und Struktur gibt. Schließt der Metzger um die Ecke, müssen Stammkunden neu denken. Wo kann ich sonst meine Salami kaufen, wie viel Zeit muss ich dafür mehr einplanen? Das kleine Beispiel verdeutlicht, wie ungleich stärker sich all das auswirkt, was in Folge der Corona-Krise gerade auf uns einprasselt. Dabei haben wir die letzte Eskalationsstufe, ein Ausgehverbot wie in anderen Ländern, noch gar nicht erreicht.

Viele Bürger empfinden die Maßnahmen als übertrieben. Es sind nicht nur junge Menschen, die (im Wortsinn) dummerweise munter ihre Kontakte pflegen. Das Frühlingswetter lockt verständlicherweise auch ältere Menschen ins Freie. Sie gehen als Paar spazieren und tanken Frischluft – was sie sollen. Sie setzen sich aber auch in Gruppen, Schulter an Schulter, auf die Café-Terrassen. Das ist zum Haareraufen. Mittlerweile müsste jeder verstanden haben, dass die Befriedigung persönlicher Bedürfnisse uns jetzt allen schadet – und manchen von uns noch ein gutes Stück mehr: Im Internet kursiert gerade ein Foto. Es zeigt zwei Krankenschwestern mit Mundschutz in einem Behandlungszimmer. In ihren Händen halten sie einen Karton, auf dem steht: „Wir bleiben für euch da! Bleibt ihr für uns daheim!“

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron spricht vom Krieg gegen das Virus. Eine Bitte: Denken Sie bei allem, was Sie tun (und nicht lassen), an die Menschen an der „Front“ – Pflegepersonal, Ärzte, Polizisten, das Team in Ihrem Supermarkt . . .

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