Kommentar

Denkmäler des Grauens

Archivartikel

Klaus Backes meint, dass Bunker erhalten werden sollen

Luftschutzbunker sind hässlich. Grau und von Bombensplittern zernarbt stehen sie in den Städten oder liegen feucht und dunkel tief unter der Erde. Luftschutzbunker stören. Sie sind dem 30. Fachmarktzentrum im Weg oder einem anderen alternativlosen Projekt. Also weg damit. Oder doch nicht? Die Generationen, die den Luftkrieg miterlebt haben, brauchen keine Erinnerung daran. Sie tragen das Grauen in ihren Köpfen mit sich herum. Angehörige jüngerer Generationen dagegen wissen glücklicherweise nicht, was Krieg bedeutet. Aber sie sollten zumindest eine Ahnung davon bekommen. Und deshalb müssen die meisten Bunker erhalten und zumindest je einer in Mannheim und in Ludwigshafen weitestgehend wieder in den Originalzustand versetzt werden.

Hier könnte dann dank technischer Hilfsmittel zumindest ansatzweise erlebt werden, wie sich ein Luftangriff anfühlt: das Heulen der Bomben, die Explosionen im Umfeld, das Schreien der Kinder, vielleicht sogar das Vibrieren des Betonkolosses bei einem Treffer. Jeder, der eine solche Inszenierung miterlebt hat, wird ganz anders reagieren, wenn der Begriff „Luftkrieg“ fällt.

Luftschutzbunker sind Denkmäler. Denn unter diese Kategorie fallen eben nicht nur „schöne“ Bauten wie Schlösser, sondern auch Unansehnliches und Störendes wie Konzentrationslager und eben Bunker. Denkmäler des Grauens. Sie ragen wie mahnende Zeigefinger hinein in unsere Welt, in der die reibungslose Funktion des Smartphone zu den wichtigsten Themen zählt.

Es geht nicht darum, jeden dieser Betonkolosse unter allen Umständen zu erhalten. Doch man sollte ihrer Denkmaleigenschaft und ihrer einst lebensrettenden Funktion Respekt erweisen und eventuell eine Umplanung bei Bauprojekten in Kauf nehmen. Dass sie mit etwas Fantasie umgenutzt werden können, zeigt das Mannheimer Stadtarchiv, das im Ochsenpferchbunker eine Bleibe gefunden hat. Wenn aber die Fantasie fehlt, kommen die Abrissbagger.