Kommentar

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Marc Stevermüer zur Wahl von Jürgen Klopp

Die Szenerie sagte mehr aus als jede Trophäe. Als Jürgen Klopp in diesem Sommer die englische Meisterschaft mit dem FC Liverpool gerade knapp verpasst hatte, feierten ihn die Anhänger trotzdem – wohlgemerkt vor dem Triumph in der Champions League und somit als noch titellosen Trainer der Reds. Der von der Empathie der Fans mitgenommene Coach lief eine Art Ehrenrunde im legendären Stadion an der Anfield Road, in dem die noch legendäreren Anhänger applaudierten, weil sie genau wussten, was sie an diesem Mann haben. Dieser Deutsche gibt ihnen die Zuversicht, die erste Meisterschaft seit 1990 zu holen. Der Weg dafür ist längst bereitet.

Er schafft Werte

Klopps Kür zum Welttrainer ist deshalb die logische Wahl – und zwar nicht nur wegen des Champions-League-Titels, sondern gerade weil er wie kaum ein anderer den Kernauftrag eines Trainers erfüllt. Klopp macht Spieler besser, formt Mannschaften und weiß genau, mit welchen fehlenden Teilen er das Puzzle vervollständigen muss. So machte er es in Mainz. So machte er es in Dortmund. Und so machte er es jetzt auch in Liverpool, wo er nicht nur als Trainer und Kaderplaner überzeugt, sondern sich seine Authentizität als Menschenfänger und Hoffnungsträger bewahrt hat. Ein nicht zu unterschätzendes Gut an einem der emotionalsten Fußball-Standorte der Welt.

Im Oktober 2015 übernahm Klopp an der Anfield Road, der Kaderwert stieg seitdem von 356 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro. Das liegt einerseits an den explodierenden Preisen, aber eben vor allem auch an den Leistungssprüngen der Spieler, die Klopp entwickelte. Aus Eigengewächs Trent Alexander Arnold formte er einen Nationalspieler. Und die insgesamt 100 Millionen Euro für sein europaweit gefürchtetes Trio Sadio Mané, Firmino und Mohamed Salah gehen zweifelsohne als Schnäppchen durch. Da hätten auch andere Vereine zugreifen können, die jetzt über die Bedingungen auf dem Transfermarkt klagen. Man denke da nur an den FC Bayern. Doch nicht viele haben eben den Weitblick eines Strategen wie Klopp, der sein Team erst mit diesem Trio nach oben führte und die Mannschaft dann mit Virgil van Dijk und Alisson veredelte.

Grenzenlose Gier

Zum vollkommenen Glück fehlt nach dem Triumph in der Königsklasse nun „nur“ noch die englische Meisterschaft. Nach sechs Siegen in sechs Partien führt Liverpool die Tabelle mit fünf Punkten Vorsprung an. Die Gier nach diesem Titel ist grenzenlos, der Glaube sowieso recht ausgeprägt. Auch das ist typisch für Klopp. Die nächste Ehrenrunde in Anfield könnte also noch emotionaler werden.

 
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