Kommentar

Der Coup mit Keller

Alexander Müller zur Wahl des neuen DFB-Präsidenten

Das Fußball-Lexikon definiert den Befreiungsschlag als „weiten Schuss aus der eigenen in die gegnerische Hälfte, um die Abwehr zu entlasten und sich aus einer bedrängten Situation zu befreien“. Genau dieses als eher rustikal geltende Stilmittel hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bei der Suche nach einem neuen Präsidenten benötigt. Dass die Wahl auf die integre Persönlichkeit Fritz Keller fiel, macht Hoffnung, dass der Verband nach einer Ära der Skandale die Wende hin zu mehr Transparenz und Bodenständigkeit schaffen kann.

Der 62-jährige Freiburger kann als Gegenentwurf zu allem durchgehen, was im DFB zuletzt schiefgelaufen ist. Die Lustreisen der Funktionäre zu großen Turnieren, die „Sommermärchen“-Affäre, das Uhrengeschenk eines Oligarchen an den ehemaligen Präsidenten Reinhard Grindel, die wachsende Entfremdung von der Basis und den organisierten Fans – der DFB steckt zweifelsohne in einer tiefen Krise.

Keller ist zuzutrauen, dass er die Gräben zuschütten und für einen glaubwürdigen Neuanfang sorgen kann. In seinem Verein, dem SC Freiburg, moderiert der Winzer als Präsident seit zehn Jahren uneitel im Hintergrund. Er widersetzt sich vermeintlichen Gepflogenheiten des Geschäfts wie ständigen Trainerrauswürfen und hat zusammen mit Coach Christian Streich dafür gesorgt, dass die Südbadener ein sympathisch-familiärer Club geblieben und nicht zu einer kühlen Fußball-GmbH geworden sind.

Wenn er in diesem Stil auch den DFB führen sollte, ist dem Verband nach etlichen Fehlbesetzungen an der Spitze ein charmanter Coup gelungen. Ein echter Befreiungsschlag eben.

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