Kommentar

Der Cup, den keiner braucht

Alexander Müller zur Einführung der Europa League 2

Auf diesen Wettbewerb haben wir alle gewartet. Wer dachte, der sich zuspitzende Irrsinn hätte mit der TV-Live-Übertragung des Regionalliga-Straßenfegers TSG Hoffenheim II gegen den VfB Stuttgart II vor der imposanten Kulisse von 240 Zuschauern im Dietmar-Hopp-Stadion seinen Höhepunkt erreicht, hat die Rechnung ohne die Uefa gemacht. Denn die Funktionäre im schweizerischen Nyon kamen auf die bahnbrechende Idee, einen Europapokal für die Clubs zu erfinden, die eigentlich zu schlecht für den Europapokal sind. Dass dieser Fabel-Plan mit dem Namen Europa League 2 von den Gremien ohne größere Widerstände durchgewunken wurde, versteht sich von selbst.

Doch lassen wir Ironie und Sarkasmus kurz beiseite. Während zum Beispiel bei Kronohagens IF (Finnland) oder dem FC Valetta (Malta) in der Aussicht auf prickelnde Abende auf internationaler Bühne die Sektkorken knallen dürften, fragt sich der bei Verstand gebliebene Rest der Fußball-Welt: Wie viele komplett unsinnige, weil sportlich verzichtbare Wettbewerbe sollen eigentlich noch eingeführt werden? Und wann werden sich die Fans abwenden, weil das Rad der Übersättigung und Kommerzialisierung endgültig überdreht worden ist?

Beim Bundesliga-Siebten, der den Planungen zufolge am „Cup der Kleinen“ teilnehmen darf, dürfte die Vorfreude ebenfalls in deutlich begrenzten Bahnen verlaufen. Gegner ohne Namen, weite Reisen, vergleichsweise mickrige Einnahmen, aber dennoch die Doppelbelastung – so eine Kombination vergrätzt die Lust aufs internationale Geschäft. Aber die Herren bei der Uefa ficht das nicht an: Mit dem neuen Wettbewerb, den wirklich niemand braucht, stellen sie vor allem die Bedürfnisse der kleineren Mitgliedsverbände zufrieden.

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