Kommentar

Der einzig richtige Weg

Archivartikel

Martin Geiger begrüßt die Anklage des Ex-Audi-Chefs

Eine Anklage ist kein Schuldspruch. Das kann man in diesen aufgeheizten und aufgeregten Zeiten gar nicht oft genug wiederholen. Erst wenn unabhängige Richter die Vorwürfe gegen den früheren Audi-Chef Rupert Stadler geprüft haben, steht fest, ob er bei der Dieselaffäre betrogen hat oder nicht. Etwas anderes steht dagegen jetzt schon fest: Die Anklage ist ein richtiger und wichtiger Schritt.

Zum einen für Stadler selbst. Sollte er unschuldig sein, beschert ihm nur ein Prozess die Möglichkeit, die Vorwürfe umfassend öffentlich zu widerlegen, und die nötige mediale Aufmerksamkeit, um seinen Namen wieder rein zu waschen.

Zum anderen dient ein Prozess aber auch dem gesellschaftlichen Frieden. Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen, heißt es im Volksmund. Diesem Vorurteil wird mit einer peniblen Aufklärung der Ereignisse begegnet. Die Dieselaffäre hat längst solch gewaltige Dimensionen angenommen und dem Ruf des einstigen Musterschülers, der deutschen Automobilindustrie, so nachhaltig geschadet, dass ein erhebliches öffentliches Interesse an ihrer Aufarbeitung besteht. Abgesehen davon, dass es der einzige Weg ist, um das verlorene Vertrauen der Verbraucher eventuell zurückzugewinnen. Dieses Interesse der Allgemeinheit kann aber nicht mit Schriftsätzen und in den Hinterzimmern der Justiz bedient werden. Sondern nur in einem Gerichtssaal.