Kommentar

Der ewige Zweite?

Archivartikel

Alexander Müller kommentiert den Bundesliga-Gipfel.

Wie kann man die Dominanz des FC Bayern endlich brechen? Über dieser Frage brüten sie bei Borussia Dortmund schon sehr lange. Seit dem vom Double-Gewinn gekrönten Ausnahme-Jahr 2012 unter Jürgen Klopp probiert der BVB erfolglos, in der Liga wieder einmal vor den Münchnern zu landen. Die Dortmunder versuchten viel, setzten auf ganz unterschiedliche Ansätze – mit dem immergleichen frustrierenden Ergebnis: Deutscher Meister wurde nur der FCB.

Mit Trainer-Genius Thomas Tuchel passte es letztlich zwischenmenschlich nicht, die kompromisslose Offensividee des Niederländers Peter Bosz zerschellte schon nach wenigen Monaten an der Realität der Ergebnisse – und auch die vergangenen beiden Jahre unter dem versierten Taktik-Experten Lucien Favre verliefen insgesamt zu wechselhaft, um den bayerischen Abonnement-Meister wieder einmal zu entthronen.

Es ist deshalb nur folgerichtig, dass die Zeit des Schweizers in Dortmund am Ende dieser Saison wahrscheinlich vorbei ist. Die 2:3-Niederlage im Topspiel gegen die Münchner am Samstagabend stand ein wenig sinnbildlich für die Probleme des BVB unter Favre: Fußballerisch sieht das meistens mehr als anständig aus, aber die letzte Überzeugung fehlt, die letzte Energie, die sich von der Seitenlinie auf die Mannschaft überträgt – so wie es einst Klopp idealtypisch vorgemacht hat.

Mit Favres analytisch-zurückhaltendem Stil hat es nicht funktioniert. Wenn die Attacke auf die Bayern gelingen soll, braucht Dortmund einen Trainer, der das Feuer wieder richtig entfachen kann, der aus den ganzen jugendlichen Verheißungen im Team wie Sturm-Jahrhunderttalent Erling Haaland (20) oder den Flügel-Attraktionen Jadon Sancho (20) und Giovanni Reyna (17) mehr rausholt als bisher. Einen wie Julian Nagelsmann. Der frühere Hoffenheimer Coach wäre die Ideallösung für den BVB, um nicht zum ewigen Zweiten zu mutieren. Er hat allerdings noch bis 2023 Vertrag in Leipzig.

Aber irgendetwas müssen die Dortmunder ändern, damit sich ein aus ihrer Sicht beunruhigender Trend nicht weiter verfestigt: Aus den vergangenen zehn Liga-Duellen mit den Bayern hat die Borussia nur sechs von 30 möglichen Punkten geholt.

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