Kommentar

Der falsche Ort

Archivartikel

Alexander Müller zum Baku-Endspiel und der Katar-WM

Im offenen Zweikampf um die aberwitzigsten Entscheidungen aus der Funktionärskaste des Fußballs liegt der europäische Verband Uefa aktuell klar vorn. Der Armenier Henrikh Mkhitaryan reist aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht mit dem FC Arsenal zum Europa-League-Finale gegen den FC Chelsea nach Baku, weil es zwischen Aserbaidschan und seinem Heimatland seit langem einen Konflikt um die Region Berg-Karabach gibt. Das ist ein Skandal, den Uefa-Präsident Aleksander Ceferin zu verantworten hat.

Baku, nebenbei auch EM-Spielort 2020, ist – nicht nur wegen der riesigen logistischen Probleme der aus dem über 4500 Kilometer entfernten London anreisenden Fans –, einfach der kolossal falsche Ort für ein europäisches Endspiel. Aserbaidschan wird autoritär regiert, die Menschenrechte zählen nichts, aber die Führung nutzt die Bühne des Sports gerne für sich, vom Fußball bis zur Formel 1. Das war Ceferin jedoch offenkundig egal, da das staatlich kontrollierte aserbaidschanische Energieunternehmen Socar zu den größten Uefa-Sponsoren zählt. Der Präsident sollte zurücktreten.

Einen Rücktritt sehnen viele Freunde des Fußballs auch bei Fifa-Chef Gianni Infantino herbei, der seinem Vorgänger Sepp Blatter laut einschlägigen Berichten aus der Zentrale des Weltfußballs in nichts nachsteht, wenn es um Filz, Intransparenz und undurchsichtige Millionengeschäfte geht. Der von purer Geldgier und klassischer Landschaftspflege bei den Verbänden in Afrika und Asien getriebene Infantino-Plan zur Ausweitung der WM 2022 auf 48 Teams kommt zum Glück nicht zustande. Der Grund dafür ist aber nicht etwa Vernunft oder die Sorge um eine sportliche Entwertung des Turniers: Katar, ein Ausrichter vom Schlage Bakus, könnte diese XXL-WM nicht alleine stemmen, findet aufgrund weitgehender politischer Isolation in der Region aber keinen passenden Co-Gastgeber. Spätestens 2026, beim nächsten Welt-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko, wird die Schnapsidee aber umgesetzt. Die Fifa wird im Zweikampf um die absurdesten Vorhaben also schon bald wieder an der Uefa vorbeiziehen.