Kommentar

Der Fels bröckelt

Frank Schumann zum Verkauf von Lebensversicherungen

Die Lebensversicherung ist in Deutschland mehr als ein Finanzprodukt - sie ist ein Mythos. Ähnlich wie das Sparbuch oder der Bausparvertrag steht die Police für Sicherheit und Solidität. Das zeigt sich unter anderem daran, dass es mehr Versicherungsverträge als Bürger gibt, geschätzt etwa 90 Millionen. Eine Altersvorsorge ohne Lebensversicherung ist für viele unvorstellbar. Doch die Zeiten, in denen das Produkt unerschütterlich wie ein Fels in der Brandung stand, sind vorbei.

Je länger die Niedrigzinsphase dauert, desto schwerer fällt es den Anbietern, in der Vergangenheit garantierte Renditen zu erwirtschaften. Für die Unternehmen gibt es derzeit zwei Auswege: Sie bieten für neue Policen keine Garantien mehr oder sie trennen sich von ihrem Versicherungsbestand. Für betroffene Kunden dürfte der Verkauf ihrer Lebensversicherung an ein anderes Unternehmen im ersten Moment ein Schock sein. Allerdings kann sich der Schritt durchaus positiv auf die Verzinsung der Police auswirken. Außerdem sollten Verbraucher bedenken, dass die Lebensversicherung eine Anlage über Jahrzehnte hinweg ist, in denen es auch einmal eine Durststrecke gibt. Für Kurzschlussreaktionen gerade beim wichtigen Thema Altersvorsorge gibt es keinen Grund. Zunächst sollten Versicherte abwarten, wie sich ihre Police im Vergleich zum gesamten Markt entwickelt - dann ist immer noch Zeit für eine gut abgewogene Entscheidung.

Zum Thema