Kommentar

Der Größere gewinnt

Bettina Eschbacher zu den Folgen der Iran-Sanktionen

USA oder Iran – diese Frage ist für die meisten Unternehmen in der Region schnell beantwortet. Für weltweit agierende Konzerne und Mittelständler ist das Geschäft mit und in Amerika ungleich wichtiger als die viel kleineren bis unbedeutenden Aufträge im Nahen Osten.

Da kann die EU noch so vehement versprechen, dass sie europäische Firmen unterstützt, die sich dem Druck von Donald Trump widersetzen wollen. Die Größe des Marktes entscheidet, auch wenn es politisch wünschenswert wäre, dem US-Präsidenten die Stirn zu bieten. So werden sich die allermeisten der hiesigen Unternehmen still und heimlich aus dem iranischen Markt zurückziehen, auch wenn sie das offiziell nicht so deutlich aussprechen. Dazu kommt, dass sich für viele Branchen die Hoffnungen dort bisher kaum erfüllt haben, nachdem die Sanktionen 2016 ausgelaufen waren.

Bei einer rationalen Abwägung der Chancen und Risiken haben die Unternehmen kaum eine andere Wahl. Im Fall Daimler kommt noch hinzu, dass sich die deutschen Autobauer nach dem Diesel-Skandal besonders vorsichtig in den USA verhalten müssen. Sie vermeiden alles, was die Behörden dort verärgern könnte,

Das Signal an die Welt ist dennoch fatal. Die europäische Wirtschaft und mächtige Konzerne wie Daimler beugen sich widerstandlos der aggressiven amerikanischen Politik, die nur an der Durchsetzung egoistischer Ziele interessiert ist – aber nicht an friedlichen, gemeinsamen Lösungen im Nahen und Mittleren Osten. Das ist bitter.

 
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