Kommentar

Der Handel macht es vor

Archivartikel

Wolfgang Mulke über Fleischsiegel beim Discounter

Freiwillige Verpflichtungen der Wirtschaft sind oft nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Im Falle des Tierwohls könnten die privaten Initiativen von Lidl, Aldi und weiteren Discountern jedoch einmal ein nachhaltiges Zeichen setzen. Mit Aldi führt nun ein weiteres Branchenschwergewicht ein Label für die Tierhaltung ein. Die Verbraucher können schnell erkennen, wie gut Schweine oder Rinder gehalten werden und ihr Kaufverhalten danach richten. Unternehmen handeln in der Regel aber nicht aus ethischen Motiven – sie folgen den Wünschen der Verbraucher. Die Kunden wollen schon lange lieber etwas mehr für eine bessere Tierhaltung ausgeben.

Mit der Aldi-Initiative ist gleichzeitig die Bundesregierung bloßgestellt. Seit Jahren bastelt sie an einer Haltungskennzeichnung, deren Kriterien so lasch sind, dass sich in den Ställen wenig ändern dürfte. Nun führen die Praktiker vor, wie Verbrauchern geholfen werden kann. Sollten auch die größten Handelsketten Edeka und Rewe dem Trend folgen, wäre die Blamage der Politik komplett.

Im Moment spricht vieles für einen Erfolg im Kampf für eine tiergerechte Haltung. Denn die Marktmacht der Discounter dürfte den Druck auch auf jene Erzeuger erhöhen, denen das Tierwohl schnurz ist. Es ist längst Zeit für einen anderen Umgang mit dem Schlachtvieh.

 
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