Kommentar

Der Möglichmacher

Archivartikel

Marc Stevermüer zum Bundestrainer der Skispringer

Um zu verstehen, was Werner Schuster fürs deutsche Skispringen geleistet hat, muss man wissen, in welch katastrophalem Zustand sich die Sportart beim Dienstantritt des Bundestrainers im Jahr 2008 befand. Ein gewisser Martin Schmitt war damals so etwas wie der deutsche Hoffnungsträger. Sein letzter Weltcupsieg im Einzel lag da aber schon sechs Jahre zurück. Er hatte seine beste Zeit also schon hinter sich, was ebenso für Michael Uhrmann galt. Weitere potenzielle Springer von Format gab es nicht, was zusammengefasst bedeutet: Die abgestürzten DSV-Adler waren nicht konkurrenzfähig.

Wenn der Österreicher nun am Ende der Saison als Trainer aufhört, geht er als der Mann, der die Deutschen zurück in die Weltspitze führte und die Medaillen brachte. Mit ihm haben die DSV-Springer mit Ausnahme der Vierschanzentournee alles gewonnen: WM-Titel im Skispringen und Skifliegen, olympische Goldmedaillen, einen Gesamtweltcupsieg. Die Erfolge feierten die Deutschen im Einzel und in der Mannschaft, was die dauerhafte Spitze in der Breite noch einmal eindrucksvoll unterstreicht. Erst räumte Severin Freund ab, dann brachte Andreas Wellinger Siege und jetzt gerade sticht Markus Eisenbichler heraus. Momentan stehen vier Deutsche unter den Top-16 im Gesamtweltcup – diese beeindruckende Leistungsdichte hat weltweit keine andere Nation. Kurzum: Es gibt eine ganze Reihe von Sieg- und Podestanwärtern, was vor allem an Schuster liegt.

Der 49-Jährige hat seit seinem Amtsantritt die Strukturen entscheidend verändert, um mit sämtlichen Talenten einheitlich arbeiten zu können. Sein System durchliefen alle Athleten aus dem jetzigen A-Kader, was im Prinzip schon alles aussagt. Die Erfolge sprechen für sich – und für Schuster, den Medaillen-Möglichmacher.

Keine Frage: In seinen elf Jahren hat der Trainer eine ganze Menge bewegt, sehr viel erreicht und noch mehr richtig gemacht. Sein Weggang trifft den Verband zweifelsohne hart, aber Schuster hinterlässt eine absolute Weltklasse-Mannschaft. Es gibt schlechtere Abgänge – und miesere Aussichten.

 
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