Kommentar

Der Preis muss hoch

Hannes Koch zu höheren Steuern auf Lebensmittel

Fleisch ist heute oft zu billig. Drei oder vier Euro pro Kilogramm ernähren den Landwirt nicht, der die Tiere züchtet und aufzieht. Die Folge sind Kostendruck und dementsprechend schlechte Haltungsbedingungen, die Kühe, Schweine oder Hühner nicht als Lebewesen anerkennen. Deshalb sollte Fleisch teurer werden – diese Diskussion ist in vollem Gange.

Ein Beratungsgremium von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner erwägt eine Zusatzsteuer für Fleisch und tierische Produkte. Indem die zusätzlichen Staatseinnahmen umverteilt würden, könnten die Landwirte mehr Geld erhalten. Dies gäbe ihnen die Möglichkeit, die Produktion etwas mehr auf das Tierwohl auszurichten. Dass die Endkundenpreise für Fleisch, Milch, Eier und andere tierische Produkte mit einer Steuer leicht steigen würden, können die weitaus meisten Verbraucher wohl verkraften. Zudem erscheint es zumutbar, Fleisch hin und wieder durch andere Lebensmittel zu ersetzen.

Das eigentliche Problem in vielen kleinen und mittleren Betrieben würde dadurch aber wohl nicht gelöst. Es besteht darin, dass mächtige Handelskonzerne wie Aldi, Lidl, Edeka, Rewe und andere die Verkaufspreise in Richtung der Produktionskosten oder sogar darunter drücken. Daran würde eine kleine zusätzliche Steuer nichts ändern, die vermutlich nur die Umstrukturierungskosten der Landwirte für ihre Betriebe ausgleichen würde. Um die Lage der Produzenten wirklich zu verbessern, bedarf es dagegen neuer, schärferer Regeln gegen Dumping.