Kommentar

Der richtige Schwung

Archivartikel

Werner Kolhoff zur Strategie für grünen Wasserstoff

Zum „Ausrüster der Welt“ soll Deutschland nach dem Willen der großen Koalition in der Wasserstofftechnik werden. Ein großes Wort, aber kein leeres.

Denn nun werden dafür kurzfristig neun Milliarden Euro mobilisiert. Corona sei Dank. Plötzlich gab es Geld genug, und plötzlich gab es auch die Notwendigkeit, die Konjunktur schnell wieder anzukurbeln.

Wasserstoff ist natürlich kein Allheilmittel für den Klimaschutz. Aber er ist ein wichtiges Element für die Lösung der Probleme. Es gibt eine ganze Reihe von Sektoren, die ohne diese Technologie noch sehr lange auf fossile Brennstoffe, mindestens auf Gas, angewiesen wären. Schiffe und Lastwagen lassen sich mit Batteriestrom nur schwer antreiben. Ähnliches gilt für schwerindustrielle Prozesse.

Überall hier ist Wasserstoff die klimaneutrale Alternative. Als Speicherenergie kann er zudem dazu beitragen, die Versorgung mit erneuerbarem Strom sicherer zu machen. Man kann ihn lagern, durch das vorhandene Gasnetz transportieren und daraus irgendwo wieder Strom machen. Und hinten raus kommt nur Wasser.

Ökologisch Sinn macht das alles freilich nur, wenn der Wasserstoff zuvor aus erneuerbarem Strom gewonnen wurde. Das wäre allein aus deutschen Windrädern und Solaranlagen nur eingeschränkt möglich. Deshalb ist die geplante Kooperation mit Ländern der südlichen Hemisphäre so wichtig, etwa Marokko Sie haben viel effizientere Möglichkeiten, aus Sonne erst Strom und dann Wasserstoffgas zu machen.

Insgesamt ist das Programm ein mächtiger Aufschlag, ein „Wumms“, wie Olaf Scholz sagen könnte. In kürzester Zeit wird hier jetzt ein großer Markt für einen neuen Energieträger geschaffen – mit all der Technologie, die ihn begleitet. Und mit den entsprechenden Arbeitsplätzen. Wäre Deutschland in die Batterie- und E-Autoproduktion mit ähnlichem Schwung eingestiegen, die Autoindustrie hierzulande hätte jetzt wohl nicht so große Probleme.

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