Kommentar

Der Schatten des Hypes

Alexander Müller zum Ausnahmetalent Moukoko

Schule, Party, Playstation, dreimal die Woche locker mit den Kumpels kicken. Den Alltag eines normalen 16-Jährigen (wenn nicht gerade Corona für Einschränkungen sorgt), wird Youssoufa Moukoko nie kennenlernen. Der in Kamerun geborene deutsche U-20-Nationalstürmer gilt als das größte aller Supertalente, dem zurzeit der Aufstieg zum Weltstar vorhergesagt wird. Moukokos Profidebüt für Borussia Dortmund beim 5:2 in Berlin – am Tag nach seinem 16. Geburtstag – hat den Hype auf die höchste Stufe gehoben. Es ist die dringlichste Aufgabe des BVB, dafür zu sorgen, dass der neue jüngste Bundesliga-Spieler nicht im Rampenlicht verglüht wie so viele Ausnahmebegabungen vor ihm. Moukoko muss so weit es geht vor den manchmal gnadenlosen Mechanismen des Geschäfts geschützt werden.

Denn bei allem sagenhaften Talent, seiner Jahrhundertqualität, wie fast alle Beobachter sagen – die größte Prüfung wartet noch auf ihn. Sie hat größtenteils mit Aspekten des Sports zu tun, die sich abseits des Rasens abspielen. Kann Moukoko dem Druck und der überbordenden Erwartungshaltung psychisch standhalten? Hat er einen seriösen Berater an seiner Seite, der eine vernünftige Karriereplanung über das schnelle Geld stellt? Auf dem Platz wird Moukoko wiederum lernen müssen, wie er sich gegen gestandene Verteidiger durchsetzt, die garantiert mehr dreckige Tricks auf Lager haben als er. Die Anpassung an die Anforderungen des Männerfußballs kann dauern.

Wahrscheinlich ist der Teenager für eine behutsame Entwicklung aber genau an der richtigen Adresse gelandet. Im jugendlich geprägten Biotop BVB trifft Moukoko – was verrückt genug ist – mit Jude Bellingham (17), Giovanni Reyna (18), Jadon Sancho (20) oder Erling Haaland (20) auf einige fast Gleichaltrige, von denen er sich etwas abschauen kann. Borussia Dortmund ist mit dieser exklusiven Auswahl an Zukunftsversprechen zur heißesten Wette des europäischen Vereinsfußballs geworden.