Kommentar

Der Umbruch funktioniert

Alexander Müller zur Situation bei der Nationalelf

So viel Harmonie und Spaß gab es sehr lange nicht mehr rund um das in heftige Schieflage geratene Flaggschiff des deutschen Fußballs. Statt der bei Länderspielen zuletzt typischen Friedhofsstimmung feierten die Fans in der Karnevalshochburg Mainz wie einst 2014, die Mannschaft auf dem Rasen brannte ein Offensivfeuerwerk voller Spielfreude ab, das – bei aller offensichtlichen Schwäche des Gegners – Hoffnung macht. Das 8:0-Torfestival der DFB-Elf gegen Estland bewies, dass aus dem WM-Fiasko von Russland nach einem anfänglichen Schlingerkurs doch noch die richtigen Konsequenzen gezogen worden sind. Der Umbruch funktioniert, und selbst wenn Rückschläge nicht auszuschließen sind, kann diese verjüngte deutsche Auswahl bei der EM 2020 auch für die Favoriten Frankreich oder Spanien wieder eine ernstzunehmende Bedrohung werden.

Die Tempodefizite sind beseitigt worden, es entsteht eine neue Hierarchie um den endlich verletzungsfreien Marco Reus sowie Joshua Kimmich und Ilkay Gündogan als Taktgeber im zentralen Mittelfeld – dazu hat Weltmeister-Torhüter Manuel Neuer zu alter Klasse zurückgefunden. Der stimmungsvolle Sommerabend von Mainz demonstrierte, dass diese positive Entwicklung auch vom Publikum goutiert wird. Die Unterstützung von außen ist ein unerlässlicher Verstärker beim Prozess des Neuaufbaus.

Wie weit diese Mannschaft tatsächlich schon ist, wird sich allerdings erst im September zeigen, wenn mit den Partien gegen die Niederlande und in Nordirland die beiden schwierigsten Prüfungen in der EM-Qualifikation warten.

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