Kommentar

Deutlich formuliert

Stefan Proetel über die Neujahrsrede von Jutta Steinruck

Bemerkenswert deutlich wird Jutta Steinruck an zwei Stellen ihrer ehrlichen und mitunter emotionalen Neujahrsrede. Zwar nennt sie nicht ihren Namen, doch Amtsvorgängerin Eva Lohse ist gemeint, wenn die Oberbürgermeisterin von „riesigem Modernisierungsbedarf“ und „kaum nachvollziehbaren Abläufen und Zuständigkeiten“ in der Verwaltung spricht. Das mag so gewesen sein. Und Jutta Steinruck darf das kritisieren. Nur: Sie muss es dann auch besser machen. Hoppla di hopp ist so etwas jedenfalls nicht umzusetzen, das hat die Oberbürgermeisterin schnell realisiert.

Was sie noch gemerkt hat: Ihr im Januar 2018 angekündigter Kampf gegen notorische Müllsünder ist noch lange nicht zu Ende. Aus dem Wort „Müllsünder“ von damals ist nun „Dreckspatzen“ geworden. Das spricht Bände. Sie hat Recht, das so deutlich zu formulieren – und die Bürger aufzufordern, respektvoll mit der eigenen Stadt umzugehen. Zumal ein hehres Ziel dahinter steckt: Das solidarische und respektvolle Miteinander soll gestärkt, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verbessert werden. Ludwigshafen hat da Nachholbedarf, darüber gibt es keine zwei Meinungen.

Beim Neujahrsempfang vor einem Jahr spielte ein Trio „Wind Of Change“. Jenen „Wind des Wechsels“ des Scorpions-Klassikers versprach Steinruck damals den Bürgern. Es sollte ein anderer Politikstil Einzug halten: gerechter, ehrlicher und transparenter. Die Oberbürgermeisterin hat bewiesen, dass sie es ernst meint mit ihrer Ankündigung, immer offene Ohren für die Bürger zu haben. Es ist wichtig, dass die auch weiterhin auf Empfang stehen. Denn, sie weiß und sagt es freimütig selbst: Ludwigshafens Weg wird kein leichter sein.

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