Kommentar

Dicke Bretter

Peter Reinhardt sieht Hilfen bei Vorbereitung auf Beruf positiv

Viel zu lange ging die Bildungspolitik mit einem Achselzucken über die Jugendlichen hinweg, die das Schulsystem ohne Abschluss verlassen haben und dann auch bei der Lehrstellensuche leer ausgingen. Die Ursachen sind unterschiedlich, oft fehlt den jungen Leuten mit oder ohne Migrationshintergrund nicht die Begabung, sondern die Motivation. Für diese Gruppe erscheinen die Vorbereitungskurse für die duale Ausbildung wie maßgeschneidert.

Auf den ersten Blick ist eine Erfolgsquote von 36 Prozent eher bescheiden. So hoch ist der Anteil der Jugendlichen, die nach einem Jahr einen Ausbildungsplatz haben. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass die Hälfte der Teilnehmer keinen Schulabschluss hat oder andere Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags. Auch Flüchtlinge sind dabei, die noch nicht genügend Deutsch können, um auf dem freien Markt der Berufsausbildung ohne Hilfe fündig zu werden. Die praxisorientierte Kombination von schulischer Förderung und Praktika in den Betrieben verhilft aber mehr Jugendlichen zu einer Lehrstelle als andere Förderangebote wie das Berufsvorbereitungsjahr. Es sind jedoch dicke Bretter, die da gebohrt werden müssen. Und das Konzept ist durch die Betreuung sehr teuer.

Erfolgreich sind die Kurse, weil die oft antriebslosen jungen Leute von Sozialpädagogen eng begleitet werden. Und auf Seite der Unternehmen werden in den Praktika durch das bessere Kennenlernen Hemmschwellen abgebaut. Angesichts der Schwierigkeiten bei der Besetzung von Lehrstellen hat mancher Betrieb auch sein hohes Anforderungsprofil abgespeckt.

Von einem Erfolgsmodell muss man deshalb aber noch nicht sprechen. Schließlich können fast zwei Drittel der Absolventen auch diese Zusatzchance nicht nutzen. Trotzdem ist es sinnvoll, das Angebot flächendeckend einzuführen. Auch der Verzicht auf weniger erfolgreiche Förderangebote ist nur konsequent. Dabei setzt Grün-Schwarz auf Freiwilligkeit bei den Stadt- und Landkreisen. Eine verbindliche Vorgabe würde das Land dazu verpflichten, die Kosten voll zu übernehmen. Das will die Koalition bei aller finanzpolitischen Großzügigkeit dann doch vermeiden.

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