Kommentar

Dicke Bretter bleiben

Es ist wie bei einem Umzug: Die eine oder andere Lampe fehlt noch, die Grünpflanzen sind auch noch nicht ausgewählt - doch die Freude darüber überwiegt, dass das größte Stück Arbeit geschafft ist. Zur „Einweihungsparty“ des neuen Bahnhofsvorplatzes in Heidelberg ist am Dienstag auch Verkehrsminister Winfried Hermann angereist. Zwei Jahre lang haben Fahrgäste, Anwohner, Passanten sowie Rad- und Autofahrer Umwege und sich beinahe täglich wechselnde Baustellengegebenheiten verkraften müssen. Besonders hart traf es Menschen mit eingeschränkter Mobilität: Für sie war das Ein- und Umsteigen am Hauptbahnhof kaum zu schaffen. Die Mühen haben sich gelohnt: Die Haltestelle Hauptbahnhof ist modern, bequem und sicherer und lässt seine Kunden dank verlängerter überdachter Bahnsteige auch nicht mehr im Regen stehen. Die Einzugsgeschenke von Land und Bund - für alle fünf Projekte des „Mobinetz“ genannten ÖPNV-Ausbauplan zusammen 43 Millionen Euro - haben die Maßnahme ermöglicht. Da die Förderung Ende 2020 auszulaufen drohte, gerieten die Planer zusätzlich unter Zeitdruck. Sie behielten aber sogar dann die Nerven, als das erste Ausschreibungsergebnis so enttäuschend war, dass der Baustart um ein Jahr verschoben wurde. Vielleicht hat der Aufschub der Planung am Ende sogar gut getan, denn der Fertigstellungstermin ist genauso wie der Kostenplan eingehalten worden. Nun können alle Kräfte auf die fehlenden Verbindungen nach Schwetzingen und Patrick Henry Village gerichtet werden. Und so lange es keine Straßenbahn im stark frequentierten Neuenheimer Feld gibt, wird das Heidelberger ÖPNV-Netz unvollkommen bleiben - da gilt es noch einige dicke Bretter zu bohren.

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